VOGELSCHUTZ 1-21

VOGELSCHUTZ 1|21 21 Der Fluss Amper durchzieht als Lebensader den südlichen Teil des Landkreises Fürsten- feldbruck. Dabei fließt das Gewässer auch durch das Naturschutzgebiet „Amperauen“, gesäumt von naturnahen Wäldern. Letztes Jahr konnte der LBV hier eine große Fläche erwerben, die in ihrer Lebensraumvielfalt bemerkenswert in der Region ist. Die Besonderheit ist das Kalkflachmoor D as Naturschutzgebiet „Amperauen mit Leitenwäl- dern“ ist Teil des NATURA 2000-Gebiets Ampertal und liegt zwischen dem Dorf Schöngeising und der großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Im vergangenen Jahr konnte der LBV mit Hilfe der Kreisgruppen Fürsten- feldbruck und Starnberg sowie der Förderung durch die Regierung von Oberbayern dort ein weiteres Grundstück mit einer Größe von 5,7 Hektar kaufen. Dieses hatte die Eigentümerin in den vergangenen Jahren dem LBV bereits zur Pflege zur Verfügung gestellt. Rarität im Kalkflachmoor Ausschlaggebend für den Kauf des neuen Grundstücks war für den LBV ein Kleinod – denn hier findet sich ein größerer Bestand des in Bayern stark gefährdeten Bleichgel- ben Knabenkrautes. Es hat seinen Verbrei- tungsschwerpunkt zwar in Südbayern, aber auch dort meist nur einzeln oder in wenigen Exemplaren. 2020 wurden auf der Amperauen-Fläche über 30 blühende Pflanzen gefun - den, die eng begrenzt im nassen Kalkflachmoor wachsen. Pflege fördert Artenvielfalt Die neue Fläche ist eine wertvolle Mischung aus Weiden- gebüschen, Schilfflächen, mageren bis mäßig nährstoffrei - chen Feuchtwiesen, Pfeifengraswiesen, wasserführenden Gräben mit Wasserschlaucharten und einer für das Natur- schutzgebiet einzigartigen Besonderheit: einem Kalkflach - moor. Dieses zeichnet sich durch den Bewuchs mit Klein- seggen und Binsen aus, ist frei von Gehölzen und hat im Fall der Amperauen-Fläche einen hohen Grundwasserstand. Dank regelmäßiger Pflege ist das Grundstück ein will - kommenes Refugium für weitere seltene Arten. Die natur- schutzfachlichen Arbeiten im gesamten Naturschutzgebiet führt der Landschaftspflegeverband mit Hilfe örtlicher Landwirte durch. Auf den Pacht- und Eigentumsflächen des LBV erfolgt das in enger Absprache mit den Biotopverant- wortlichen der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck. Im Winter 2019/20 wurden ehemalige Amphibien- weiher wieder frisch ausgebaggert, da sie komplett zu- gewachsen waren. Bereits im anschließenden Frühjahr zeigten sich die ersten Erfolge, als sich in den offenen Wasserstellen Kaulquappen von Erdkröte, Gras- und Grünfrosch tummelten. Zudem wurden im Umfeld der Weiher größere Bereiche entbuscht und die Wurzelstöcke mit einem Forstmulcher zerkleinert. Dadurch sind wieder offene und mähbare Bereiche entstanden. Diese sollen mithilfe von Mähgut von geeigneten arten- reichen Flächen mit Pflanzen wie Mehl-Pri - mel, Sumpf-Gladiole oder Alpenhelm „be- lebt“ werden. Leider sind im gesamten Ampertal auch unerwünschte Pflanzenarten eingedrun - gen, die heimische Arten verdrängen, zum Beispiel mehr oder weniger große Bestän- de der invasiven nordamerikanischen Großen Goldrute. Um sie wieder zurückzudrängen, wird sie seit Kurzem mit einem entsprechenden Pflegekonzept massiv bekämpft. Ab diesem Jahr werden die Maßnahmen noch einmal in- tensiviert, indem die Art mehrmals im Jahr zum richtigen Zeitpunkt selektiv herausgemäht bzw. von Hand gezogen wird. Dadurch werden die Goldrutenbestände deutlich abnehmen und Platz für heimische Schätze machen: Dazu gehören das Fleisch- farbene Knabenkraut, das hier in einem sehr großen Bestand vorkommt, aber auch Sumpf-Stendelwurz, Sumpf-Platterbse, Kugelige Teufelskralle, Pracht-Nelke, Duft-Lauch und Rostrotes Kopfried sowie Sumpfschre- cke, Bunter Grashüpfer und Dunkler Wiesenknopf-Amei- senbläuling. Die Kugelige Teufelskralle wächst auf mageren Feuchtwiesen. Der seltene Dunkle Wiesenknopf-Ameisen- bläuling fühlt sich im Schutzgebiet wohl. Rare Schönheit: das Bleichgelbe Knabenkraut. FOTOS: MICHAEL WEIGL (5), ELKE TRAMP (2) GERALD FUCHS Gartenmeister und Biotopexperte, LBV-Kreisgruppe Fürstenfeldbruck E-Mail: gerald.fuchs@lbv.de

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