VOGELSCHUTZ 1-20
1|20 VOGELSCHUTZ 21 FOTOS: CHRISTIANE GEIDEL, JULIA RÖMHELD, OLIVER WITTIG, DR. EBERHARD PFEUFFER ZIELVORGABEN DES LBV Runter mit dem Ausstoß von Treibhausgasen Es ist so einfach wie dringend: Wir müssen die Menge aus- gestoßener Treibhausgase reduzieren, bei uns und welt- weit. Gerade Deutschland hat die Wirtschaftskraft, hier als leuchtendes Beispiel voranzugehen. Die „einfachen Siege" müssen wir hier sofort umsetzen, auch wenn diese „nur“ ein paar Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich einspa- ren. Hierzu gehört ein Tempolimit auf Autobahnen genau- so wie Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden und Neubauten, wie sie in einigen Kommunen bereits umge- setzt werden. Selbstverständlich müssen wir uns auch die Landnut- zung diesbezüglich ganz genau ansehen. Es ist schlichtweg ökologischer Irrsinn, beispielsweise Torfböden trockenzu- legen und als Ackerland zu nutzen, vor allem dann, wenn auf den trockengelegten und gepflügten Moorböden Mais für Biogasanlagen angebaut und dies als Beitrag zum Kli- maschutz deklariert wird. Alleine im bayerischen Donau- moos werden jährlich Treibhausgase in einem Umfang von rund einer halben Million Tonnen CO 2 -Äquivalente freigesetzt. Eine Wiedervernässung und Umwandlung bei- spielsweise in Grünland kann die Torfzehrung quasi über Nacht substanziell reduzieren und „ganz nebenbei“ Le- bensraum für Wiesenbrüter schaffen. Selbstverständlich dürfen wir auch hier, wie beim Schutz von Insekten und Feldvögeln, unsere Landwirte nicht im Stich lassen. Land- wirte brauchen langfristige Garantien, dass sie von einer Bewirtschaftungsform gut leben können. Die Formel für das Donaumoos muss heißen: Extensiv genutztes Grün- land, Biologische Vielfalt und Kohlenstoffspeicherung statt Kartoffeln und Kohlendioxidfreisetzung, langfristig garan- tiert durch Politik und Gesellschaft. Schutzgebiete widerstandsfähiger machen Viele für den Natur- und Artenschutz wichtige Lebensräume wie intakte Moore und alte Wälder sind Kohlenstoffsenken und -speicher. Es gibt im Hinblick auf die Klimakrise und den Schutz der Biologischen Vielfalt für Schutzgebiete aber noch eine andere Dimension: Da wir nicht genau wissen, wie sich unsere Umwelt durch den Klimawandel verändert, brauchen wir für das Überleben unserer Tier- und Pflan- zenarten große, robuste Bestände und Lebensräume. Wir müssen unsere Natur resilienter machen für die zu erwar- tenden Veränderungen. Flächenausdehnung, Vernetzung und gutes Management sind hierbei ganz zentral. Mehr natürliche Waldentwicklung Große Sorge macht sich der LBV um die Zukunft unserer Wälder. Rekordhitze und -dürre und die dadurch her- vorgerufenen Massenvermehrungen beispielsweise des Borkenkäfers haben im vergangenen Jahr zum Absterben von Fichten, aber auch Kiefern und Buchen geführt. Es sieht danach aus, dass der Klimawandel unsere Wälder schon jetzt mit voller Wucht trifft. Ein zügiger Waldumbau hin zu klimaresistenteren Mischwäldern, wie er von den Bayerischen Staatsforsten und vielen Privatwaldbesit- zern betrieben wird, hat oberste Priorität. Parallel hierzu brauchen wir, neben dem Nationalpark Berchtesgaden im Hochgebirge und dem Nationalpark Bayerischer Wald im Mittelgebirge, auch nutzungsfreie Großschutzgebiete im Auwald, beispielsweise an der Donau, und im Laubwald, etwa im Steigerwald und Spessart. Diese Flächen dienen nicht nur dem Schutz der Biologischen Vielfalt, sondern sind auch wichtige Referenzflächen für die natürliche Waldentwicklung. Wenn mehr und mehr Försterinnen und Förster heute sagen, dass sie nicht wissen, welche Baumar- ten ohne das Wirken des Menschen in unserer bayerischen Heimat in 30 oder 50 Jahren wachsen werden, müssen wir – räumlich begrenzte – Referenzflächen schaffen, um dies herauszufinden. Die von der Staatsregierung kürzlich an- gekündigte Ausweisung eines 960 Hektar großen Schutzge- bietes in den Donauauen bei Neuburg – ausgelöst durch die Diskussion am Runden Tisch Volksbegehren Artenvielfalt – ist hierzu ein wichtiger Schritt. Der LBV wird sich in Zukunft noch stärker um die Ausweisung und das Management von Wald- und anderen Schutzgebieten kümmern. Nutzungsfreie Schutzgebiete (hier Nationalpark Bayerischer Wald) sind wichtige Referenzflächen für natürliche Waldentwicklung. DR. NORBERT SCHÄFFER
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