VOGELSCHUTZ 3-19

38 VOGELSCHUTZ 3|19 VOGELSCHUTZ: Die Stiftung wird bald „volljährig“. 2002 wurde sie aus der Taufe gehoben, warum? Ludwig Sothmann: Für viele Vorhaben im Arten- und Natur- schutz sowie der Umweltbildung geht es nicht um befristete Projekte, sondern um die Verpflichtung, uns für Arten und Le- bensräume dauerhaft einzusetzen. Und da kommt die Stiftung ins Spiel. Von Fördergebern erhalten wir häufig nur zeitlich begrenzte Finanzierungszusagen. Das ist aber oft zu kurz ge- sprungen. Wenn wir uns beispielsweise nicht seit Jahrzehnten für die Rohrdommel einsetzen würden, wäre dieser faszinie- rende Schilfbewohner in Bayern möglicherweise schon aus- gestorben. Beim Flächenankauf gilt dasselbe: Es ist nicht nur der Kauf, sondern auch die damit verbundene Pflege unserer Arche-Noah-Flächen, für die wir die langfristige Finanzierung sicherstellenmüssen. Oder denken wir an die Umweltbildung: Für diesen Schwerpunkt unserer Arbeit gibt es auch keinen Anfang und kein Ende. Daher bin ich sehr dankbar, dass wir mit Hilfe der Stiftung für solche „Ewigkeitsaufgaben“ einen ver- lässlichen Partner haben, der uns hier zur Seite steht. Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt. VS: Und der wäre? Sothmann: Vielen unserer Mitglieder und Förderer ist es ebenfalls wichtig, mit ihrer Finanzierung dauerhaft den Arten- schutz in Bayern zu fördern. Somit sind wir mit der Stiftung auch dem Bedürfnis aus der LBV-Gemeinde entgegengekom- men, mit Zustiftungen und Unterstiftungen die Kontinuität unserer Arbeit sicherzustellen. Denn eine Zustiftung darf nicht verbraucht werden, nur mit ihren Erträgen dürfen wir arbei- ten. Mit unseren Unterstiftungen werden beispielsweise die LBV-Arbeit in Coburg oder die Vogelauffang- und Pflegestation in Regenstauf unterstützt. VS: Ist es in der derzeitigen Nullzinsphase nicht ein Problem, das Stiftungsvermögen gewinnbringend anzulegen? Sothmann: Vor zehn Jahren lag der Zins für Spareinlagen bei 2,5 Prozent, aktuell verlangen manche Banken sogar Negativ- zinsen. Keiner weiß derzeit, wie sich derMarkt entwickelnwird. Trotzdemhat der Vorstand der Stiftung es bislang noch immer geschafft, durchschnittlich vier Prozent Rendite aus dem Stif- tungsvermögen zu erwirtschaften und für LBV-Projekte be- reitzustellen. Derzeit sind es rund 100.000 Euro jährlich. Hinzu kommen Spenden, die wir mit der Vorgabe erhalten, dass wir sie direkt verwenden dürfen. VS: Sie sind auch Vorstandsmitglied der Stiftung. Ihr Fazit nach 17 Jahren? Sothmann: Ich bin zufrieden. Unter dem Vorsitz von Dr. Rü- diger Dietel undmit demEngagement von Gerhard Koller wird erfolgreiche Arbeit geleistet. Dank mehrerer Erbschaften und vieler Zustiftungen ist der Stiftungsstock auf mittlerweile fast drei Millionen Euro angestiegen. Ich bin den Erblassern und Zustiftern sehr dankbar für ihre Unterstützung. Sie hat gera- de der Gedanke, dass ihr Beitrag für die Stiftung auch noch in hundert Jahren etwas bewirken kann, überzeugt. Die jähr- lichen Zuwendungen der Stiftung für die LBV-Arbeit sind für den Verein von sehr großer Bedeutung. Sie geben uns die Möglichkeit, jenseits von externen Finanzierungsquellen wich- tige Vorhaben für Bayerns Natur schnell und unbürokratisch umzusetzen. 2002 rief der LBV auf Initiative von Dr. Bernd Söhnlein und Ludwig Sothmann die Stiftung Bayerisches Naturerbe ins Leben. Seitdemhat sie über eine Million Euro für LBV-Vorhaben zur Verfügung gestellt. Wir haben den LBV-Ehrenvorsitzen- den Ludwig Sothmann gefragt, was den Verband damals zur Gründung einer eigenen Stiftung bewog und was sich seitdem getan hat. Projekte langfristig fördern INTERVIEW: THOMAS KEMPF Die seltene Rohrdommel ist in Bayern möglicherweise dank der Hilfe des LBV noch nicht ausgestorben. Gerhard Koller Beauftragter der Stiftung Bayerisches Naturerbe Tel.: 09174-4775-7010 | E-Mail: gerhard.koller@lbv.de Kontakt

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