VOGELSCHUTZ 2-19
2|19 VOGELSCHUTZ 21 FOTOS: WOLFGANG LORENZ, RENATE MÜLLER, FABIAN UNGER, GABRIELE GRIMMEIS, DIETER HOPF, MARCUS BOSCH und vertreiben brütende Vögel vom Ge- lege. Ausufernde Partys hinterlassen Scherben und Müll. Flößereibetriebe baggern immer wieder während Brut- und Laichzeiten Floßrinnen aus und verändern das natürli- che Abflussgeschehen. Hunder- te Flöße transportieren pro Jahr zehntausende Gäste mit Musik aus Lautsprechern, Bier und Ge- gröle flussabwärts. Bootsfahrer mit meist völlig ungeeigneten Gum- mi-Badebooten verabreden sich zu Hunderten über soziale Netzwerke zu Isar-Events mit Fun und Action mitten in der Brutzeit. Möglichst einsame Inseln dienen als Picknick- oder Rastplätze. Rafting-Firmen bieten trotz Verbots der wirtschaftlichen Nutzung lukrative Touren – oft Junggesel- lenabschieds-Partys – in Naturschutzgebieten an. Viele Isar- gäste wissen dabei gar nicht, dass sie dem Fluss mit ihrem Besuch schaden und dass dieser viel mehr ist als eine Frei- zeit- und Party-Arena! Was also tun? Um Flussuferläufer und Co. an der Isar bestmöglich zu schützen, ist der LBV dort seit Jahrzehnten im Einsatz. Die beiden LBV-Gebietsbetreuer Birgit Weis und Michael Schödl kümmern sich um das Wohl des Flusses zwischen Mitten- wald und Icking. Sie bieten Führungen an, beraten Behörden und setzen Naturschutz-Maßnahmen um. Als Isar-Ansprech- partner im Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften“ konnte ich in den letzten drei Jahren dank einer Förderung durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit zahlreichen Infoständen am Fluss mehr als 5.000 Isar-Besucher über naturverträgliches Verhalten aufklären und typische Arten vorstellen. Die Reaktionen der Besucher darauf waren über- wiegend positiv und dankbar: „Was, der Vogel brütet nicht im Baum – ist der verrückt?“ oder „Wenn ich gewusst hätte, dass da Vögel brüten, wäre ich dort nicht ausgestiegen!“ waren häufig gehörte Sätze. Um die Besucherlenkung an den Wildflüssen weiter zu verbessern, hat der LBV 2018 zusammen mit den Natur- parks Karwendel und Tiroler Lech sowie dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen das grenzüberschreitende INTERREG-Pro- jekt „Leben am Wildfluss“ gestartet. Es zielt auf einheitliche Qualitätsstandards für Be- sucherlenkung und Monitoring ab sowie die Finanzierung zusätzlicher Fluss-Ranger, damit der Druck nicht irgendwann zu groß wird. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministe- riums für Umwelt, Naturschutz und nuklea- re Sicherheit gefördert. Touren oder Partys finden auf der Isar statt. Men- schen, Lärm und Müll belasten das wertvolle Fluss-Ökosystem. Die Kiesflächen sind Lebensraum und Brutplatz vieler Vögel. Die Eier der Kiesbrüter sind gut getarnt und können leicht übersehen werden, hier die Eier des Flussregenpfeifers. FABIAN UNGER Regionaler Projektmanager Isar/Loisach E-Mail: fabian.unger@lbv.de Achtung – tierischer Lebensraum! Oft laufen Menschen achtlos an Verbotsschil- dern vorbei und dringen somit in die Schutzzo- nen für Vögel ein. Gefördert durch: Projekt: Flussufer- läufer
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