VOGELSCHUTZ 2-19

12 VOGELSCHUTZ 2|19 T H EMA FOTOS: MARCUS BOSCH, CLAUDIA BECHER, DR. CHRISTOPH MONING, ZDENEK TUNKA, GERHARD KINSHOFER (2), ALEXANDER STARK (3) Das Monitoring mit Zeitrafferkameras am Rothsee (Mittel- franken) im Frühling 2017 belegt zu- dem, dass Stehpaddler nach Segel- booten am zweithäufigsten die Grenze des Naturschutzgebietes missachte- ten. Am Starnberger See (Oberbayern) zeigte sich vom Herbst 2016 bis zum Frühling 2017, dass Motorboote, ge- folgt von Kanufahrern und Stehpaddlern am häufigsten in die ganzjährig geschützte Roseninselbucht einfuhren und die Wasservögel störten. Aufgrund der teilweise sehr hohen Fluchtdistanzen der Wasservögel und der Häufigkeit von Stö- rungen selbst in Schutzgebieten wäre es deshalb sinnvoll, in bestimmten Gebieten den Verlauf von Schutzgebietsgrenzen zu überdenken, damit sie ihren Zweck als störungsarmer Rückzugsraum für Wasservögel nicht nur auf dem Papier erfüllen. Auch entsprechende Managementpläne und Ge- wässernutzungskonzepte für Ramsar- und EU-Vogelschutz- gebiete könnten Konfliktherde frühzeitig identifizieren und beseitigen helfen. Ferner stellt sich der Oktober als beson- ders störungsintensiver Monat heraus. Wichtige Rückzugs- räume für Wasservögel sollten daher mindestens für den Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende März vor einer Frei- zeitnutzung geschützt sein, was auch die Jagd einschließt. Fazit: Häufig geschehen Störungen sicher aus Unwissenheit und nicht mutwillig. Eine bessere Öffentlichkeits- arbeit und die Aufklärung aller betrof- fenen Nutzergruppen können daher einen wichtigen Beitrag zur Verbes- serung der Situation leisten. Denkbare Maßnahmen reichen von einer deutlicheren Kennzeichnung von Schutzgebieten und Schutzgebietsgrenzen bis hin zur verstärkten Integration von naturschutzfachlich relevanten Themen in die Ausbildungsprogramme der Wasser- sportinstruktoren. Entscheidend für den nachhaltigen Schutz der Wasservögel vor Störungen ist aber eine enge und abge- stimmte Zusammenarbeit von Naturschutz und Wassersportverbänden. Sie würden gerne mehr zum Thema erfahren? In Kürze werden die Ergebnisse der Masterarbeit in Berichte zum Vogel- schutz des Deutschen Rates für Vogel- schutz (DRV) veröffentlicht. Schellente Tafelente Blässhuhn Kolbenente Schilf ist Brut- und Rückzugsraum für Wasservögel, daher sollte man den Tieren zuliebe Abstand halten. Das Bild zeigt ein Negativbeispiel! Sogar zusammen mit dem Hund kann man aufs Wasser. Bitte lei- nen Sie ihn aber an, vor allem in der Brut- und Überwinterungs- zeit ist das ein Muss. MATTHIAS BULL M. Sc. Naturschutz und Landschaftsplanung, Fachgutachter für Artenschutz E-Mail: matze_bull@web.de Häufig geschehen Störungen aus Unwissenheit und nicht mutwillig

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