VOGELSCHUTZ 3-18

26 VOGELSCHUTZ 3|18 TRAUNSTEIN | OBERBAYERN L B V V O R O R T FOTOS: FRANK WEISS , THOMAS BLODAU (2), MARGIT BILGER Alte Fischzucht aufgelöst KEMPTEN | SCHWABEN Kaufhaus-Blühfläche mit Bergblick Beim Kaffee oder Mittagessen den Blick auf die Allgäuer Berge genießen und sich über die bunten Blüten einer über 200 Quadratmeter großen Wildblumenwiese freuen – das geht nur auf dem Dach des Einkaufszentrums Fenepark in Kemp- ten. Viel Arbeit steckt hinter dem von der Firma Feneberg gesponserten und von der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu durchgeführten Projekt. Nach dem Entfer- nen der moosigen Dachbegrünung und Abtransport per Schubkarren und Las- tenaufzug wurde auf das freigelegte Drainagesubstrat eine zehn Zentimeter di- cke Humus-/Sandschicht aufgebracht. Die angesäte niedrigwüchsige und bunte Wildblumenmischung wurde schnell zum echten Hingucker und Insektenmagnet. Die Wochenendarbeitsstunden der LBV-Aktiven haben sich mehr als gelohnt. Viele Gespräche an den Restauranttischen drehen sich nun um „die schöne Blumenwie- se“, die man doch „auch zuhause anlegen könnte“. Ein echter Gewinn mit großem Werbeeffekt für mehr Artenvielfalt. THOMAS BLODAU Die Kreisgruppe Traunstein hat sich eine artenreiche Feuchtwiese dauer- haft gesichert. Auf dieser wurden be- reits viele Pflanzenarten kartiert, u.a. Weiße Waldhyazinthe, Sumpf-Läuse- kraut, Schwalbenwurz-Enzian, aber auch das Blaukernauge (Tagfalter), und mehrere Libellenarten entdeckt. Auf einem Teil der Fläche wurde über meh- rere Jahrzehnte eine private Fischzucht betrieben. So gelangten Nährstoffe durch das Fischfutter und den Kot di- rekt in den Bach zwischen Fischteichen und Orchideenwiese. Da sich die Pflan- zenwelt dadurch verändert hat, wur- den die Fischteiche aufgelöst. Mit ei- nem Kleinbagger wurden drei der fünf FÜRTH | MITTELFRANKEN Rettungsleitern im Regenbecken Die Regenauffangbecken in Weinzierlein im Landkreis Fürth sollen eigentlich nur den Regen und Schlamm auffangen, der bei starkem Niederschlag von den Feldern gespült wird. Aber das aufmerksame LBV-Mitglied Margit Bilger entdeckte bei einem Spaziergang, dass die Auffangbecken regelmäßig zur Todesfalle für Amphibien, Reptilien und sogar kleine Säugetiere wurden (wir berichteten siehe Ausgabe 01/2017). Jeden zweiten Tag holte sie mit einem Kescher zahlreiche Kröten, Molche, Spitzmäuse und kleine Hasen aus dem Be- cken, die durch die Schlitze gefallen waren, aber keine Chan- ce hatten, sich von alleine wieder zu befreien. Nachdem sie zehn (!) Jahre lang unermüdlich immer wieder Tiere gerettet hatte, wendete sie sich schließlich an die Kreisgruppe Fürth und bat um Unterstützung. Dann ging alles ganz schnell: Bei einem Ortstermin mit dem Bauamt der Stadt Zirndorf als zuständige Behörde konnte eine Lösung gefunden werden. Zwei Amphibienleitern auf jeder Seite des Beckens wurden noch vor der Amphibienwanderung montiert. Seitdem kann Margit Bilger ohne Kescher spazieren gehen und es wurde in den Becken kein einziges Tier mehr gefunden. Eine Er- folgsgeschichte, die ohne ein aufmerksames LBV-Mitglied und die unkomplizierte Hilfe durch das Bauamt so nicht passiert wäre. CARMEN GÜNNEWIG Teiche zugeschüttet. Das Quellwasser, das bisher durch ein Rohrsystem die Teiche verband, soll als offener Bach fließen. In diesem Zusammenhang werden auch die eingefassten Quellen direkt oberhalb der Fischteiche wieder freigelegt. Seltene Quellschnecken, die in einer Nachbarquelle leben, haben dann auch hier eine Chance. Die Wie- deraufwertung der Fläche kostete viel Zeit und Kraft, da nicht nur mannsho- her, teilweise tief eingewachsener Stacheldrahtzaun abgebaut werden musste, sondern auch zwei Hütten. Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt, da die Flächen nun dauerhaft für die Natur gesichert sind. FRANK WEISS

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