VOGELSCHUTZ 3-18

3|18 VOGELSCHUTZ 15 Eine Honigbiene auf einer Kirschblüte. Rebhühner und Kiebitz jeweils auf einem Feld. Das Rebhuhn ist durch seine Färbung auf dem Acker- boden gut getarnt, auch wenn jeglicher Deckungs- raum fehlt. FOTOS: MARKUS BOSCH, ANDREAS HARTL, GUNTHER ZIEGER, DR. CHRISTOPH MONING digkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschut- zes“ auf den Punkt: Wir befinden uns in einer der größten ökologischen Krisen seit Menschen Land bewirtschaften. Die Agrarlandschaften sind ökolo- gisch so geschädigt, dass wir schnellstens im In- teresse kommender Generationen einen System- wechsel in der Landwirtschaftspolitik brauchen. Dazu müssen wir „den Hebel ganz unten, am gesamten chemischen Waffenarsenal der Landwirtschaft ansetzen“, kommentierte Ende Mai die Süddeutsche Zeitung die Lage. Damit verbunden muss der gedankenlose und übermäßige Fleischkonsum zu Niedrigstpreisen aufhören, weil er auf Kosten des Tierwohls geht und massiv zum Verlust der natürlichen Vielfalt beiträgt. Auch das Bienensterben beziehungs- weise der dramatische Arten- und Lebensraum- verlust in Bayern kommen nicht überraschend, sondern sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen Abwärtsentwicklung. Fördermaßnahmen von KU- LAP (Kulturlandschaftsprogramm) über VNP (Ver- tragsnaturschutzprogramm) bis hin zu den Arten- Rebhühner Honigbiene Kiebitz hilfsprogrammen waren nur punktuell erfolgreich und konnten den allgemeinen Trend nicht umkeh- ren. Wir brauchen also ein grundsätzlich anderes Agrarsystem! Lebensmittel müssen integriert in die Natur und nicht gegen sie produziert werden. Ohne das Engagement von Naturschutzver- bänden wie dem LBV wäre die bisherige Bilanz in Bayern noch viel schlechter. So haben sich beispielsweise durch unsere Aktivitäten die Bestände von Weißstorch und Wiesenwei- he stabilisiert; Fisch- und Seead- ler sind in Bayern erneut heimisch geworden; Bayerisches Löffelkraut und Böhmischer Enzian blühen wieder bei uns; die Moorrenaturierung kommt voran. Aber es besteht dennoch kein Zweifel: In den 100 Jahren Freistaat Bayern hat die Natur Lebenskapital verloren. Es ist daher Zeit zu han- deln! Höchste Zeit! Denn ohne einen System- wechsel hin zu einer nachhaltigen, weitgehend giftfreien und den Mitgeschöpfen verpflichte- ten Landnutzung wird das Brummen der Bie- nen und Hummeln verstummen.  Es ist höchste Zeit zu handeln! LUDWIG SOTHMANN LBV-Ehrenvorsitzender E-Mail: ludwig.sothmann@lbv.de

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