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VS: Artenhilfsprogramme bedeuten nicht nur praktischen Naturschutz – es braucht auch die Wissenschaft, um Strate­ gien stetig weiterzuentwickeln und zu optimieren. Auch hier ist das AHP Wiesenweihe doch beispielhaft? Krüger: Im Vordergrund steht der Schutz. Gleichwohl haben wir durch Beringung und Markierung von Vögeln sowie durch wissenschaftliche Arbeiten zur Biologie und zum Lebensraum wertvolle Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel zum Aus- tausch mit anderen Populationen in ganz Europa. Zukünftig werden wir hier das Thema „Lebensraum Agrarlandschaft“ noch deutlicher in den Vordergrund rücken. Da sind noch die Holländer führend. VS: Welche Herausforderungen sehen Sie für das LBV-Arten­ hilfsprogramm kurz- und mittelfristig? Krüger: Die Arbeit begeistert, bringt große Erfolge und innere Befriedigung. Sie ist jedoch auch fordernd, intensiv und teil- weise belastend. Hier wird es unsere Aufgabe sein, das gewon- nene Know-how zu dokumentieren und an die nächste Gene- ration von Wiesenweihen-Schützern weiterzugeben. Denn all unsere Arbeit wäre wertlos, wenn wir sie nicht fortsetzen! Da- neben sind die Strukturveränderungen in der Agrarlandschaft gerade in Franken sehr dynamisch. Wir wollen punktuell mit den Landwirten konkrete Maßnahmen vereinbaren. Und da- bei kommt es auf scheinbar so kleine Details wie Wegränder an. Wichtig wird es auch sein, dass die Flächenstilllegungen effektiver werden. VS: Das Artenhilfsprogramm Wiesenweihe ist eines der er­ folgreichsten LBV-Artenhilfsprogramme. Was lernen wir aus seinen Erfolgen? Krüger: Die wichtigste Erkenntnis ist erstens, dass sich eh- renamtliches Engagement lohnt – für uns und für die Wiesen- weihen! Zweitens: Wir brauchen im Naturschutz Programme, die eher langfristig angelegt sind. Drittens: Wir profitieren von der entlastenden und unterstützenden Zusammenar- beit mit den hauptamtlichen Mitarbeitern. Last but not least: Wir brauchen wieder eine Agrarlandschaft mit mehr Arten und höherem Bestand. INTERVIEW: MARKUS ERLWEIN 1|18 VOGELSCHUTZ 13 WEITERE LBV-ERFOLGSGESCHICHTEN STEINADLER     2012 wurde das Artenhilfsprogramm nach sechs Jahren eingestellt. In den Bayerischen Alpen sind derzeit ca. 45 Steinadlerreviere besetzt. Bei Bestandserfassungen wur- den 2016 ein neues Revier im Ostallgäu und eine Wiederan- siedlung in einem verwaisten Revier im Oberallgäu entdeckt. UHU     Bestandsrückgänge und ausbleibender Bruterfolg um die Jahrtausendwende. Heute jedoch teilt der Uhu das „Schicksal“ des Wanderfalken. Aufgrund der zuletzt positiven Bestandsentwicklung auf wahrscheinlich schon über 500 Brutpaare wurde auch er 2016 aus der Roten Liste entlassen. WANDERFALKE     Umweltgifte und illegale Nachstellungen hatten die bayerischen Bestände Anfang der 1980er Jahre auf zwei Dutzend Paare dezimiert. Heute leben in Bayern wieder an die 300 Wanderfalkenpaare. 2016 konnte der Wanderfalke sogar von der Roten Liste genommen werden. WEISSSTORCH     Das Artenhilfsprogramm Weißstorch konn- te nach 33 Jahren erfolgreich beendet werden. Der Bestand hat sich von einem Tiefpunkt mit nur noch 58 Storchenpaaren 1988 wieder erholt und liegt aktuell bei fast 500 Brutpaaren. FOTOS: HERBERT HENDERKES, ZDENEK TUNKA, WOLFGANG LORENZ Wiesenweihen-Nest im Getreidefeld (Kennzeichnung) „Von Anfang an haben uns 99 % aller Landwirte unterstützt, selbst als es noch keine Entschädigung gab.“

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