VOGELSCHUTZ 4-20

VOGELSCHUTZ 4|20 35 FOTOS: DIRK ULLMANN, VERENA AUERNHAMMER, REBEKKA LEISS, DIRK ULLMANN D er Große Brachvogel ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Sein bayerischer Brutbestand beläuft sich mittlerweile nur noch auf unter 500 Brutpaa- re. Hauptursache ist der Lebensraumverlust, der mit Was - sermangel und ungünstigen Flächenstrukturen einhergeht. Weitere Faktoren für den Bestandsrückgang sind zuneh- mende Störungen durch Freizeitaktivitäten sowie der enor- me Druck durch Bodenprädatoren wie den Fuchs. Unklar ist bislang, welche Rolle Verluste auf dem Zug und während des Aufenthalts im Winterquartier für die Be- standsentwicklung spielen. Neue Erkenntnisse hierüber soll das von LBV und dem Landesamt für Umwelt (LfU) konzi- pierte und vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Telemetrie-Projekt liefern. In dessen Rahmen werden seit 2017 Große Brachvögel mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Zugrouten dokumentiert. Mittlerweile liegen Daten zu 22 besenderten Vögeln vor, die über unterschiedlich lange Zeiträume gesammelt wurden. Ein großes Problem für eine Ausweitung des Besende- rungsprojekts sind die sehr geringen Reproduktionszahlen in vielen bayerischen Gebieten. Um diesen entgegenzuwir- ken hat der LBV im Altmühltal gemeinsam mit der Höheren Naturschutzbehörde in einem zusätzlichen Projekt ein Not- fallkonzept umgesetzt, das bisherige und kurzfristig wei - tere Maßnahmen zum Schutz der Bruten kombiniert. Neu ist zum Beispiel der Einsatz von Drohnen zur Gelegesuche. Des Weiteren wurden weitläufige Schutzzäune errichtet und die Brachvogelfamilien werden zur Lokalisierung der Küken mittels Radiotelemetrie intensiv beobachtet. Bereits 2019 nahm durch dieses Pilotprojekt die Zahl flügger Brachvögel im Altmühltal wieder zu. In diesem Jahr gelang dort erstmals seit 2008 wieder eine bestandserhaltende Reproduktion und insgesamt 27 Jungvögel erreichten das flugfähige Alter. Die Grundlage dieses Erfolges liegt klar in der konstruktiven und langjährigen Zusammenarbeit der Gebietsakteure, dem ho - hen Arbeitseinsatz und den sehr gut abgestimmten Metho- den zum Schutz der „Sorgenkinder“. Bahnbrechende Erkenntnisse über das Verhalten Von diesem Erfolg profitiert nun auch das zeitgleich laufen - de Telemetrie-Projekt. So konnten 2020 endlich wieder sie- ben flugfähige Jungvögel mit Satellitensendern ausgestattet werden. Ergänzt wurde die Testgruppe durch ein weiteres Tier im Donaumoos, sodass aktuell insgesamt acht bayeri - sche „Sendervögel“ einen bislang beispiellosen Einblick in das Brachvogelleben gewähren. Derzeit lassen sich sechs der besenderten Brachvögel live auf der LBV-Webseite in ihren Wintergebieten beobachten. Sie halten sich an den Küsten Frankreichs, Portugals und Marokkos auf. Während ihrer Reise dorthin erbrachten sie beachtliche Flugleistun - gen: Einige Vögel legten den weiten Weg nach Süden inner- halb einer Nacht zurück und erreichten dabei eine Flughöhe von über 2.000 Metern. Spitzengeschwindigkeiten von 90 km/h waren keine Seltenheit. Derzeit werden die eingehenden Daten von uns ausge- wertet, um zeitnah zielgerichtete Schutzmaßnahmen einzu - leiten. Zusammen mit den bereits erhobenen Daten durch die lokale Radiotelemetrie der besenderten Küken aus dem Altmühltal gelangen schon erste bahnbrechende Erkennt- nisse. So lassen sich jetzt bei uns in Bayern Schlafplätze und „Lieblingswiesen“ der Vögel flächenscharf erkennen, sodass diese gezielt optimiert werden können. Wir können außer- dem das Zugverhalten interpretieren und dabei Rast- und Wintergebiete zielgenau feststellen. Und auch auf die Frage nach dem Verbleib der Vögel gibt es in einigen Fällen eine Antwort. Die Reise der durch die ausführliche Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung bekannt gewordenen „Schnepfingerin“ ende - te vermutlich mit einem Abschuss in Spanien. Dieser Fall zeigt, dass der Schutz unserer bayerischen Brachvö- gel nicht an der Landesgrenze enden kann. Vielmehr lassen sich die ange- strebten Schutzziele nur durch eine internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Schutzziele für alle Le- bensetappen der Vögel konsequent und nachhaltig umsetzen. Werden Sie Namenspate! Sie haben die einzigartige Möglichkeit, die Namens - patenschaft für einen besenderten Großen Brachvogel Ihrer Wahl zu übernehmen bzw. diese zu verschenken! Einem bislang anonymen Vogel können Sie so Ihren Wunschnamen geben. Unsere Projektleiterin Verena Auernhammer wird Sie in Zukunft persönlich und über unsere Webseite regelmäßig über Ihren Schützling in- formieren. Darüber hinaus können Sie dort auch täg- lich live die Flugroute mitverfolgen. Im kommenden Jahr möchten wir weitere zehn Große Brachvögel be- sendern. Ihre Patenschaft läuft unbegrenzt und hängt von der Senderleistung des GPS-Senders und natürlich vom Schicksal „Ihres“ Vogels ab. Das bedeutet, dass Sie sich bis zu drei Jahre lang an „Ihrem“ Großen Brachvogel er - freuen können. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Thomas Kempf, E-Mail: thomas.kempf@lbv.de , Tel.: 09174-4775-7115. VERENA AUERNHAMMER Projektleiterin Brachvogel-Telemetrie E-Mail: verena.auernhammer@ lbv.de

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