VOGELSCHUTZ 3-20

G A R T E N Gärten sind nicht nur Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen. Sie gewinnen in Zeiten von Klimawandel, Flächenfraß und Pandemie auch für unsere körperliche und seelische Ge- sundheit an Bedeutung. I m ursprünglichen Sinn war der Garten ein umfriedeter Raum, der fast ausschließlich als Nutzgarten diente. Aber schon die Römer gaben ihm als Lustgarten eine weitergehende Bedeutung. Heute übernimmt der Garten vielschichtige Aufgaben, je nach den Vorstellungen seiner Besitzer*innen bzw. Nutzer*innen. Aber eines ist allen ge- mein: Mehr als in früheren Jahrzehnten spielt heute seine Wohlfühlwirkung eine große Rol- le. Nicht dass der Garten diese Aufgabe früher nicht auch schon übernommen hat. Aber seine ge- wünschte Wirkung ist mittlerweile regelrecht zu einem wissenschaft- lichen Thema geworden. Der Mensch will im Garten seine Zeit effektiv verbringen: ob durch die Arbeit im Garten als Ausgleich, als Freizeitbeschäftigung, als körperliche Betätigung in der freien Natur oder als Rück- zugsort. Der Garten – als Privatbesitz oder zur Nutzung überlassen – ist ein Fleck Natur, den der Besitzer auf seine Bedürfnisse zuschneiden will. Er kann hier in bestimmten Grenzen tun und lassen, was er will. Er kann auch die Arbeit, die ihm lästig ist, delegieren und ihn ausschließlich als Lust- garten genießen. Der Mensch kann sich aber nur dann im Garten wohl- fühlen, wenn sich dort auch die Pflanzen, Tiere, Mikroben und Pilze „wohlfühlen“, sprich leben können. Es sind bei- spielsweise die Düfte, die Geräusche des Gartens, die uns zur Ruhe kommen lassen, sofern wir dafür empfänglich sind. Wir müssen ihnen die Gelegenheit geben, auf uns ein- zuwirken. Nicht nur unter dem gesundheitlichen, sondern auch unter dem allgemeinbildenden Aspekt ist in diesem Zusammenhang auch der Schulgarten zu erwähnen. Er hat eben beide Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen. Für die Schüler führt das „Sicherden“ zu einem allum- fänglichen Wohlbefinden, zu einem Erfolgserlebnis, zu einem Glücksge- fühl, wenn sie das selbst Angebau- te, das selbst Gepflegte, das selbst Geerntete verwerten und teilen können. Auch die Medizin beschäftigt sich in neuester Zeit mit den Wechselbeziehungen zwischen dem Wohlbefinden des Menschen und der Natur im Garten. Als gezielte Prävention gewinnt dieser Aspekt an gesundheitspolitischer Bedeu- tung, was sich auch wirtschaftlich bemessen lässt. Früher gab es bei fast jedem Krankenhaus einen eigenen Garten oder Park, der für Patient*innen und Bedienstete zugäng- lich war. Er hatte vor allem die Aufgabe, den Heilungspro- zess der Patienten zu unterstützen, aber auch Angestellten eine Auszeit zu ermöglichen. Vor allem durch die kurze Der Garten hat in der Pandemie einen neuen Stellenwert bekommen 30 VOGELSCHUTZ 3|20 Menschen brauchen Gärten Raum für Wohlbefinden und Erholung

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