VOGELSCHUTZ 3-20

kontrolliert werden. Bereits im November 2015 haben die Mitglieder der LBV-Kreisgruppe daher mit der Pflege begonnen und in Handarbeit mit Motorsäge und Motor- sense eine erste Entbuschung durchgeführt. Am Unter- hang geht der Weinberghang in eine Streuobstwiese über, die ebenfalls von Aktiven der Kreisgruppe gepflegt wird. Flora am Schloßberg Am Schloßberg ist eine artenreiche Flora mit vielen wär- meliebenden Magerrasenarten zu finden. Eine beson - ders auffällige Pflanze, die hier vorkommt, ist die Bocks - riemenzunge. Diese stark gefährdete Orchideenart kann bis zu einemMeter hoch werden und bevorzugt Trocken- rasen, Magerrasen und Streuobstwiesen an mehr oder weniger steilen Hängen mit Ausrichtung nach Westen, Süden oder Osten. Auch auf nicht gepflegten, nicht zu stark verbuschten Flächen ist sie zu finden. Diese Art scheint von der globalen Erwärmung zu profitieren, denn seit den 1990er Jahren wird eine verstärkte Ausbreitung beobachtet. Die Gewöhnliche Osterluzei stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist inzwischen in ganz Mittel- europa verwildert an wärmeren Standorten wie an Wein- bergen und Böschungen zu finden. Die Osterluzei-Arten dienten seit dem Altertum als Heilpflanzen, zum Bei - spiel zur Behandlung von Wunden oder als Mittel gegen Schlangenbisse. Einen zarten Rosenduft verströmen die zahlreichen Exemplare der Kleinblütigen Rose. Ihre Blü- ten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Hum- meln und Schwebfliegen, aber auch als Vogelschutzhe - cke übernimmt diese Rose eine wichtige Funktion. Nicht so auffällig, aber eine besondere Rarität ist das Vorkom - men des Acker-Klettenkerbels, einer Doldenblütler-Art, die in Mittelfranken als verschollen galt. Fauna am Schloßberg Da es mündliche Überlieferungen gibt, dass die Schling- natter an diesem Hang heimisch sein soll, begaben sich mehrere Reptilienexperten des LBV auf die Suche nach diesem scheuen Tier. Die Art besiedelt ein breites Spektrum wärmebegünstigter, offener bis halboffener, strukturreicher Lebensräume. Somit sollte der Steilhang bei Ickelheim eigent- lich ein idealer Lebensraum für sie sein. Fündig wurden sie al- lerdings nicht. Stattdessen wur- den zahlreiche Exemplare der Blindschleiche gefunden, die in frisch ausgehobene Pflanzlöcher auf dem westlich benachbarten Weinberg gefallen waren. JULIA RÖMHELD Stv. Referatsleiterin Landschaftspflege, Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: julia.roemheld@lbv.de FOTOS: JULIA RÖMHELD (2), DR. EBERHARD PFEUFFER (2), HEINRICH BEIGEL Der Große Schillerfalter wird durch den Geruch der Gewöhnlichen Osterluzei angelockt. Rosen und Waldreben bieten ein mögliches Versteck für die Schlingnatter. VOGELSCHUTZ 3|20 21

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