VOGELSCHUTZ 3-20
FOTOS: JOERG KOCH / BAYERISCHE STAATSKANZLEI Das größte Kompliment für uns ist, dass jetzt auch andere Länder diesen Weg eingeschlagen haben. Auch wenn es in der Vergangenheit vielleicht nicht immer jeden einzelnen Tag so gewirkt haben mag, so muss man doch grund- sätzlich feststellen: Natur- und Um- weltschutz haben in Bayern seit jeher einen hohen Stellenwert. Wir waren 1970 die Ersten in Deutschland mit einem eigenen Umweltministerium – und wir haben im Bayerischen Wald den bundesweit ersten Na- tionalpark gegründet, der dieses Jahr sein 50. Jubiläum feiern kann. Seit 1984 ist der Umweltschutz im Freistaat Verfassungsziel. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre es der Klimaschutz heute übri- gens auch. Mit dem bayerischen Ar- tenschutzgesetz entfalten wir nun eine bisher ungekannte Wirkungskraft, weil wir alle Bereiche und ihre Wechselwir- kungen in den Blick genommen haben – von der Landwirtschaft über Gewäs- ser- und Biotopschutz bis hin zur kli- maneutralen Staatsverwaltung. Durch die Reaktionen der anderen Länder fühlen wir uns in unserem Kurs klar bestätigt. Wie zufrieden sind Sie mit der Umset- zung und den Fortschritten in Bayern? Wir haben unverzüglich und kraftvoll mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen. Dazu zählen große Fort- schritte beim Schutz ökologisch wert- voller Lebensräume, die Ausweitung von Naturschutzförderprogrammen, eine schonendere Bewirtschaftungs- kultur sowie ein verstärkter Arten- und Umweltschutz auf Siedlungs- und Ver- kehrsflächen. Beispielsweise schützen wir Wiesenbrüter wie die Grauammer vor dem Wiesen-Walzen, wir reduzie- ren die Lichtverschmutzung an öffent - lichen Gebäuden, damit Vögel und Insekten nachts Ruhe finden können. Wir haben Gewässerrandstreifen in die Gebietskulisse des Vertragsnatur- schutzes aufgenommen und fördern die Ausweitung der Ökolandwirtschaft in Bayern. Haben Sie den Eindruck, dass die baye- rischen Landwirte tatsächlich mit dem Gesamtpaket versöhnt sind? Wir brauchen einen Schulterschluss von Landwirtschaft und Naturschutz. Wir haben die bayerischen Landwirte von Anfang an als Partner auf Augen- höhe an den Runden Tisch geholt. Dort waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass Artenschutz uns alle angeht und einseitige Schuldzuwei- sungen ungerecht sind. Klar ist: Arten- schutz darf nicht nur auf den Schultern weniger Landwirte lasten, jeder kann seinen Beitrag dazu leisten. Deshalb bauen wir auch die Vorreiterrolle des Staates aus. Bayern hat zudem eine Bundesratsinitiative zur Verringerung des Pestizideinsatzes in Haus- und Kleingärten angestoßen, die mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Hat sich für Ihre Politik der Stellenwert von Natur- und Artenschutz durch die Corona-Krise geändert? Die Corona-Krise stellt uns als gesam- te Gesellschaft vor enorme Heraus- forderungen. Durch unseren Weg der Vernunft und Vorsicht haben wir in Bayern Schlimmeres verhindern können. Wegen Corona ma- chen der Artenrückgang oder Klimawandel jedoch keine Pause – und wir im Kampf da- gegen auch nicht. Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck an der Umsetzung des Gesamtpa- kets „Arten- und Naturschutz“. Außerdem hält Bayern an dem Plan fest, erstes klima- neutrales Bundesland zu werden. Wir sollten den Restart aus der Krise dazu nutzen, verschiedene Ziele zu verbinden. Ökonomie und Ökologie sind keine Gegensätze. Ich sehe in der Krise auch die Chance für innovative Ideen und nachhaltige, umwelt- schonende Lösungen. Wir werden wegen Corona keinesfalls beim Natur- und Artenschutz nachlassen. Welche Rolle spielen Natur und Arten- vielfalt in Ihrem (Privat-)Leben? Wir müssen uns immer wieder vor Au- gen halten, welches Glück wir haben, in diesem wunderschönen Land leben zu dürfen. Unsere Wälder, Seen und Berge tragen zur unverwechselbaren Identität Bayerns ebenso bei wie unsere reiche Tier- und Pflanzen - welt. Daraus erwächst für uns alle aber auch die generationen- übergreifende Verantwortung, sorgsam mit unserer Umwelt umzugehen. Der LBV und seine vielen Unterstützer gehen da mit hervorragendem Beispiel voran, dafür herzlichen Dank. Für mich persön- lich bedeutet es pure Lebensqualität, wenn ich mit unserem Hund Bella im Wald unterwegs bin. Dort komme ich zur Ruhe und tanke Kraft. Für mich war immer klar, dass gerade in den schwierigen Zeiten der Corona-Aus- gangsbeschränkungen ein Spazier- gang im Wald oder Park immer mög- lich bleiben musste. Ich bin überzeugt: Der Mensch braucht die Natur mehr als die Natur uns. Deshalb müssen wir sie schützen. „Es braucht Teamplay statt Feindbilder“
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