VOGELSCHUTZ 1-20
34 VOGELSCHUTZ 2|20 E R B S C H A F T VOGELSCHUTZ: Frau Beischler, vor 45 Jahren kamen Sie zum LBV. Wie hat damals alles begonnen? Doris Beischler: Schon als Kind hat mich jeder Käfer, Frosch, Maus oder Vogel interessiert. Vor allem wollte ich wissen, welche Stimme zu welchem Vogel gehört. 1974 wur- de die LBV-Kreisgruppe in Augsburg gegründet, der ich ein Jahr später beitrat, um dies endlich herauszufinden. VS: Heute fördern Sie das Projekt „Biotop Bonstetten“ und haben dazu 2016 auch noch eine eigene Unterstiftung in- nerhalb unserer Stiftung Bayerisches Naturerbe gegründet. Können Sie uns Ihre Motivation beschreiben? BEISCHLER: 1977 gab es bei Bonstetten einen Tümpel, in dem Berg- und Teichmolch lebten. Als dieser im Rahmen der Flurbereinigung einem Wirtschaftsweg weichen sollte, konnte ich die Direktion in Krumbach dazu bewegen, einen Ersatzteich in einem feuchten Gelände nahe demWeg anzu- legen. Später erwarb der LBV das Gelände und kaufte noch ein größeres Grundstück mit einem zweiten Teich hinzu. Ab 1981 pflegten mein Mann und ich dieses wertvolle Biotop, bis wir es aus Altersgründen der LBV-Kreisgruppe Augsburg und dem Maschinenring übertragen mussten. Dieses Bio- top bietet nunmehr zahlreichen Amphibien und Vogelarten eine Überlebenschance. Mein Mann und ich wollen, dass dies so bleibt, wenn wir einmal nicht mehr leben. Um es auf Dauer zu erhalten, schufen wir 2016 bei der LBV-nahen Stif- tung Bayerisches Naturerbe eine Unterstiftung zugunsten dieses Kleinods, die wir jährlich finanziell fördern. VS: 2015 haben Sie und Ihr Mann sich dann entschlossen, den LBV als Erben einzusetzen. Der LBV ist Erbe und auch Ihre Unterstiftung wird mit einem Vermächtnis bedacht. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? BEISCHLER: Weil wir uns dem LBV sehr verbunden fühlen, soll er einmal alles erben und auch die Stiftung Bayerisches Naturerbe wird bedacht. VS: Macht es in der heutigen Zeit eigentlich noch Sinn, Geld in einer Stiftung zu investieren? BEISCHLER: Trotz niedrigster Zinsen ist es der Stiftung ge- lungen, das Geld so anzulegen, dass aus dem Ertrag sogar die jährlich anfallenden Pflegekosten für das Biotop Bon - stetten bezahlt werden konnten. VS: Sollten mehr LBV-Mitglieder ein Testament oder ein Vermächtnis zugunsten der Natur machen? BEISCHLER: Wir haben den LBV als Erben eingesetzt, weil wir keine Kinder haben. LBV-Mitgliedern in ähnlicher Situ- ation empfehlen wir, dasselbe zu tun. Der Vorsitzende der Stiftung, Dr. Rüdiger Dietel, und der Beauftragte der Stif- tung, Gerhard Koller, hatten uns zuvor ausführlich beraten. Nun können wir sicher sein, dass schützenswerte Gebiete und Arten auch nach unserem Ableben betreut werden. Mit dieser Gewissheit schläft man wieder besser. VS: Was wünschen Sie sich für die Zukunft unseres Plane- ten? BEISCHLER: Dass die Menschheit mit den Ressourcen der Erde achtsamer umgeht und die Politiker von dem Wahn des steten Wirtschaftswachstums ablassen. Was nutzt ein Arbeitsplatz, wenn die Lebensgrundlagen vernichtet wer- den? VS: Liebes Ehepaar Beischler, wir bedanken uns sehr herz- lich für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit und für Ihre großzü- gige Unterstützung! Doris und Gerhard Beischler sind dem LBV seit vielen Jahrzehnten verbunden – zunächst als aktive Mitglieder und heute mit einer eige- nen Stiftung. Begonnen hat alles mit einem Tümpel. INTERVIEW: GERHARD KOLLER „Man schläft wieder besser“ FOTO: KLAUS STAMPFER Blick von der Mitte des Bio- tops in östliche Richtung Gerhard Koller Vorstandsbeauftragter Erben und Stiften Tel.: 09174-4775-7010 | E-Mail: gerhard.koller@lbv.de Kontakt
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