VOGELSCHUTZ 1-20
28 VOGELSCHUTZ 2|20 G A R T E N R hododendronerde, Graberde, Kräutererde, Toma- tenerde, Aussaaterde, Erde für Töpfe oder Beete. Dazu noch Weißtorf in Ballen und eine unüber- schaubare Zahl von Düngern und anderen Mittelchen – Gartenmärkte und der Landhandel haben scheinbar für jede Gartenfreundin und jeden Gartenfreund das Passende für ihre Pflanzen im Angebot. Die Folge sind unwiederbring - lich zerstörte Moore, denn viele dieser Gartenerden haben einen hohen Torfanteil. Natürlich dürfen auch kesseldruck- imprägnierte Palisaden und Terrassen- dielen nicht im Sortiment fehlen, am besten gleich aus Kunststoff in Holzop - tik. So entsteht am Ende des Produktle- benszyklus massenhaft Sondermüll aus unseren Gärten. Zu diesem zählt auch der mit Teerfarbe gestrichene Zaun. Denn irgendwann ist auch er morsch und muss, anders als zum Beispiel unbehandeltes Lärchenholz oder Pfosten aus fast unverwüstlicher Robinie, aufwändig entsorgt werden. Zu diesem vermeidbaren Müll gesellt sich Ast- und Gras- schnitt aus dem Garten, der jedes Jahr die Grüngutcontainer der Gemeinden überquellen lässt. Zwar wird dieser heute meist weiterverarbeitet, aber die Kompostierung von Grün- gut, Laub, Garten- und Küchenabfällen sollte besser im eige- nen Garten erfolgen. Mit verschiedenen mineralischen und organischen Zuschlagstoffen, wie Sand, Holzfasern, Splitt, Holzkohle o.ä., kann man praktisch für jeden Bedarf seine eigene Erde mischen. Reifer Kompost liefert Nutzpflanzen reichlich Nahrung und macht zusammen mit Pflanzentees, Jauchen und einer Prise Steinmehl Kunstdünger überflüssig. Man muss nicht einmal den Komposthaufen mühsam um- setzen: Flächenkompostierung und Mulchen wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt und das Bodenleben in den Beeten aus. Sogenannte Superbeete (Buchtipp S. 40) düngen sich quasi von selbst. Bauen kann man solche (Hoch-)Beete aus Recyclingmaterial oder dem, was vor Ort vorhanden ist. Ganz ohne Dünger kommen die schönsten heimischen Blütenpflanzen aus. Sie mögen es eher mager und gedeihen von allein, wenn sie standortgerecht gepflanzt wurden. Sie bieten Insekten und Kleintieren ungleich mehr Nutzen als hochgedüngte Exoten aus dem Baumarkt – und bezaubern mit ihrer Schönheit. Sie müssen auch in hei- ßen Sommern nicht gegossen werden. Lässt man seinen Rasen zur Wiese aufwachsen, stellt sich oft die Frage: Wo- hin mit dem Schnittgut? Daraus lassen sich Mulchwürste machen, die unter Hecken oder in Gemü- sebeeten für Nährstoffe sorgen und zum Bodenschutz die - nen. Das Prinzip dieser Nährstoffverfrachtung hat Markus Gastl mit dem Prinzip des Drei-Zonen-Gartens perfektioniert. In einer Mischung aus Natur- und Permakultur-Garten wird die überschüssige Biomasse, vor allem aus den Magerstand- orten (wegen ihrer Artenvielfalt „Hotspot-Zonen“ genannt) in die sogenannte Ertragszone gebracht (hier wird viel Nach- schub an Nährstoffen gebraucht, die durch die laufende Ernte verlorengehen). Eine „Pufferzone“ (meist eine Hecken - struktur) mit heimischen Gehölzen nimmt alles anfallende Laub, den Astschnitt oder verholzte Staudenstängel auf und bietet Vögeln und vielen Kleinlebewesen eine Heimat. Ein perfekter Kreislauf, der wirklich gut funktioniert! FOTOS: BIRGIT HELBIG (7) Mischkultur und Flächen- kompost sorgen für gesunde Pflanzen und reiche Ernte. Viele Gartenprodukte aus dem Baumarkt sind schädlich für die Umwelt und enden als Sonder- müll. Gartenbesitzer sollten stattdessen bei der Bewirtschaftung einen Kreislauf schaffen, der kaum Ressourcen von außen benötigt und „Abfälle“ wieder in wertvollen Rohstoff verwandelt. Der perfekte Kreislauf Nachhaltige Gartennutzung Müllvermeidung fängt im Garten an
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