FOTOS: TORBEN LANGER, HANS-JOACHIM FÜNFSTÜCK Der Teichrohrsänger (oben) zählt zu den Zugvogelarten, die nach dem Winter früher nach Bayern zurückkehren. Der Trauerschnäpper beginnt aufgrund einer früheren Rückkehr zeitiger mit seinem Brutgeschäft. Trauerschnäpper Teichrohrsänger eines der wichtigsten Wettermuster für das Klima in Europa und beeinflusst vor allem im Winter und Frühjahr die Witterung über weite Bereiche Europas. Die NAO hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert mit mehr westlichen Winden und höheren Temperaturen und damit milderen Frühjahren. Diese Veränderungen im nordatlantischen Klimagefüge haben die Bedingungen für Zugvögel in Mitteleuropa verbessert. In Südwesteuropa hingegen haben sie sich verschlechtert, denn dort wird es im Winter und zeitigen Frühjahr zunehmend wärmer und trockener. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Lebensräumen und Nahrung für die Zugvögel, die hier, nach Durchquerung der Wüste, für den Weiterzug gen Norden Fettdepots aufbauen müssen. Die Vögel reagieren darauf, indem sie nur mehr sehr kurz rasten und sofort nordwärts weiterziehen. Zugleich „profitieren“ manche Zugvögel wie Gartenrotschwanz oder Dorngrasmücke davon, dass mit der Änderung der NAO mehr südwestliche Rückenwinde einhergehen. Teilweise als Folge der früheren Rückkehr brüten viele Arten auch früher, wie Trauerschnäpper, aber auch Standvögel wie Kohlmeise und Kleiber. Da aber die für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungvögel erforderliche Nahrung – vor allem Insekten – klimabedingt noch mehr verfrüht ist und somit fehlt, kommt es bei vielen Arten zu einer Entkopplung des Brutgeschäfts vom Nahrungsangebot – mit negativen Auswirkungen auf den Bruterfolg und die Bestände. Kürzere Zugwege – zunehmende Überwinterung Bei vielen Arten, die ziehen, aber innerhalb Europas bleiben, sehen wir eine Verkürzung der Zugwege. Sie ziehen heute nicht mehr so weit wie früher und zunehmend bleiben mehr von ihnen sogar ganzjährig im Brutgebiet. Nordostdeutsche Buchfinken zogen in den 1970er Jahren durchschnittlich noch etwa 1.200 Kilometer südwestwärts; heute zieht die Mehrzahl kaum mehr weg. Ehemals „typische“ Zugvögel wie Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp sind heute auch im Hochwinter in Bayern keine Seltenheit mehr. Ebenso verlagern sich durch den Klimawandel manche Überwinterungsgebiete nach Norden und führen zu vermeintlichen Rückgängen vieler in Mitteleuropa überwinternder Wasservögel, wie bei Reiherente oder Gänsesäger. Tatsächlich aber konnten früher Wasservögel in Nordschweden und Finnland nicht überwintern, weil die Gewässer monatelange vereist waren. Heute bleiben bei milderen Bedingungen mehr von ihnen in den Brutgebieten oder in deren Nähe. Ausblick Der Klimawandel verändert das Zugverhalten und die Verbreitung vieler Arten, ohne dass wir heute vorhersagen können, wie die zukünftige Verbreitung aussehen wird. Vieles wird davon abhängen, wie die einzelnen Arten hier mithalten können. Damit die Arten mithalten können, braucht es intakte Bestände und Lebensräume. Effizienter und effektiver Naturschutz ist deshalb mehr denn je unverzichtbar. Gleichzeitig bedarf es aber auch der weiteren Entwicklung flexibler Naturschutzkonzepte, die die klimabedingten Veränderungen berücksichtigen – und gegebenenfalls veränderte Naturschutzziele. LBV MAGAZIN 3|26 21
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