LBV magazin 1-26

Mut in der Landwirtschaft Jonas Niebel steht am Feldrand und schaut über seine Schläge. Bio ist sein Betrieb nicht, aber er will so nachhaltig arbeiten, wie es unter seinen Bedingungen möglich ist. „Ich will nicht mehr Pflanzenschutz einsetzen, als unbedingt sein muss“, sagt er. Statt zu pflügen arbeitet er mit Direktsaat, probiert Untersaaten, Methoden wie Lebendmulch und verschiedene Drillverfahren aus, sogar neue Technik wie Drohnen testet er. „Ich experimentiere gern, manche denken dann, ich bin verrückt“, meint er und grinst. Sein Hof in Kupferzell fungiert als Demobetrieb. Diese Betriebe zeigen in der Praxis, wie Ackerbau mit weniger Pestiziden funktionieren kann und welche Maßnahmen sich bewähren. Zusätzlich sorgt das Programm Integrierter Pflanzenschutz plus (IPS+) in Baden-Württemberg dafür, den Pestizideinsatz in Naturschutzgebieten zu reduzieren. In allen Schutzgebieten gelten dort strengere Regeln für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Für wichtige Kulturen ist festgelegt, was Betriebe auf jeden Fall tun müssen und aus welchen zusätzlichen Maßnahmen sie wählen können. Die Umsetzung wird dokumentiert und kontrolliert. Für das Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 40 bis 50 Prozent zu senken, ist diese Kombination entscheidend: Demobetriebe wie der von Jonas Niebel, die mutig ausprobieren, was mit weniger Mitteln geht, und klare Vorgaben wie IPS+, die Mindeststandards setzen. Viele Wünsche für Streuobstwiesen Auf den Wiesen um Kirchberg an der Jagst biegen sich die Äste der alten Apfelbäume unter der Last der Früchte. Hier pflegt die örtliche NABU-Gruppe Streuobstbestände und hat in den vergangenen Jahren rund 300 neue Hochstämme gesetzt. Aus den Äpfeln wird unter anderem der „Grünspecht“-Apfelsaft gekeltert, der die Arbeit der Gruppe mit ihren 500 Mitgliedern mitfinanziert. Hannes Bürkmann vom Büro für Regionalentwicklung, studierter Landwirt und im Streuobst engagiert, kennt die Stärken dieser Landschaft genau. Streuobstwiesen sind Lebens- und Kulturraum in einem und liefern regionale Produkte. Trotzdem fühlt sich die Förderung in BadenWürttemberg für viele eher zäh an. Es gibt zwar eine Schnittförderung, sogar für Ehrenamtliche ohne Qualifikationsnachweis, doch der bürokratische Aufwand ist hoch. Zudem sind Gelder für die Pflege und den Erhalt von Streuobstbäumen deutlich geringer als in Bayern. Eine landesweite Streuobstkonzeption existiert, ist aber nicht mit ausreichenden Fördermitteln hinterlegt. „Man hat oft das Gefühl, dass dem Land das egal ist“, sagt Hannes Bürkmann. „Viele, die sich für Streuobst engagieren, schauen aufmerksam nach Bayern, wo der Streuobstpakt mit klaren Zielen und guter Förderung bereits vieles voranbringt, was man sich in Baden-Württemberg ebenfalls wünscht.“ LBV MAGAZIN 1|26 23 Zu Besuch auf der Streuobstwiese der NABUGruppe Kirchberg Regionalmanager Hannes Bürkmann FOTOS: HANNA MATTHEIS, FRANZISKA BACK FRANZISKA BACK Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: franziska.back@lbv.de

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