REPORTAGE Lebensraum in der Kommune Der Biotopverbund gilt als eines der wichtigsten Instrumente im Naturschutz. Gemeint ist ein Netzwerk aus Lebensräumen, das Tieren und Pflanzen ermöglicht, sich auszubreiten, neue Gebiete zu erreichen und auf Veränderungen zu reagieren. Baden-Württemberg hat sich verpflichtet, bis 2030 auf 15 Prozent der Offenlandfläche solche geeigneten Lebensräume und Verbindungen zu schaffen. Auch in Bayern ist dieses Ziel durch das Volksbegehren verankert. Wie ein funktionierender Biotopverbund entstehen kann, zeigt der Besuch in der Gemeinde Michelbach an der Bilz. Hier begleitet Jakob Raidt vom Landschaftserhaltungsverband Schwäbisch Hall als Biotopverbund-Botschafter die kommunale Planung. Die Gemeinde lässt ihren Biotopverbund professionell erarbeiten, eine Investition von 60.000 bis 100.000 Euro, die zu 90 Prozent vom Land gefördert wird. Ein hoher Betrag, der jedoch den Einstieg erleichtert und eine Grundlage für spätere Maßnahmen schafft. Jakob Raidt weiß, wie wichtig es ist, Zielarten und ihre Bedürfnisse genau zu kennen. Nur so lässt sich nachvollziehen, warum an einem Standort eine Hecke entstehen oder erhalten werden soll, an einem anderen eine Feuchtfläche oder eine extensiv gepflegte Wiese. „Wir müssen rausgehen, schauen, welche Arten tatsächlich vorkommen und was diese Flächen brauchen“, sagt er. „Biotopverbund entsteht nicht am Schreibtisch.“ In Michelbach führte genau dieser Blick vor Ort beispielsweise dazu, eine seltene Magerwiese zu erkennen, die nun mit Schafen gepflegt wird. Während in Baden-Württemberg jede Kommune verpflichtet ist, ihren Biotopverbund zu planen, werden Bayerische Städte und Gemeinden beim Thema Biotopverbund bisher nicht einbezogen. Vielmehr wurden bestehende Flächen für die Zielerfüllung zusammengerechnet. Neue Lebensräume entstehen dadurch nur langsam. Trotzdem bleibt der Biotopverbund auch im Nachbar-Bundesland eine Herausforderung. Denn die spätere Umsetzung der erstellten Pläne gelingt nur, wenn Bauhöfe, Flächenbewirtschafter und Kommunen eng zusammenarbeiten. Biodiversität am Straßenrand Am Straßenrand bei Sanzenbach stehen hohe verblühte Stauden und dichte Brombeerbüsche. Was für manche unordentlich wirkt, bietet Insekten Schutz, Nahrung und Rückzugsräume. „Mit Sicherheit ersetzt das hier kein Naturschutzgebiet, aber es ist auf jeden Fall besser als jedes Jahr alles kurz und sauber zu mulchen“, erklärt Dietmar Stütz vom Straßenbauamt. Er und sein Team sind im Landkreis Schwäbisch Hall für das Grün entlang von Bundes-, Kreis- und einigen Landstraßen zuständig und achten dabei auch auf eine ökologische Pflege. So können Straßenränder zu wertvollen Verbindungen zwischen Lebensräumen werden. 22 LBV MAGAZIN 1|26 Biotopverbund-Botschafter Jakob Raidt Ein Teil des Grüns am Straßenrand bleibt stehen, nur abschnittsweise wird gemulcht. Zwischen sanften Hügeln spannen Hecken und Gehölze ein grünes Lebensraum-Netz. FOTOS: FRANZISKA BACK (2), HANNA MATTHEIS Dietmar Stütz, Landratsamt Schwäbisch Hall
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