Vertreter von LBV, NABU und Regierung staunen über die Blühvielfalt auf den Honhardter Demeterhöfen. Artenschutz auf dem Acker Wenn Julian Klopfer über seine Felder geht, spricht er nicht zuerst über Ertrag, sondern über Zusammenhänge. Über Kreisläufe, Bodenleben, über Schwalben, die dieses Jahr später kamen als sonst. Der Demeterbetrieb mit eigener Käserei, muttergebundener Kälberaufzucht und Direktvermarktung wirkt wie ein Gegenentwurf zu industrialisierten Agrarstrukturen. Dahinter steckt eine tiefe Überzeug des jungen Landwirts – doch seine Wirtschaftsweise zahlt auch auf politische Ziele ein. Neben dem Ausbau der Bio-Landwirtschaft will Baden-Württemberg zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche als Refugialräume für Artenvielfalt sichern. Ein gesetzlich verankertes Ziel, das es in Bayern so nicht gibt. Dort setzt die Staatsregierung allein auf freiwillige Förderprogramme. Doch das ehrgeizige 10-Prozent-Ziel im Ländle hat einen klaren wissenschaftlichen Hintergrund: Nur wenn genügend Raum geschaffen wird, kann der Rückgang vieler Arten gestoppt werden. Julian und seine Familie zeigen, wie es gehen kann: mehrjährige Blühflächen, strukturreiche Ackerränder, Licht- und Rohbodenstellen, kleine Niederhecken oder Bereiche für Ackerwildkräuter kommen Insekten, Feldvögeln und Kleinsäugern zugute. Für Julian sind diese Flächen keine Verluste, sondern Investitionen. „Wenn wir Landwirtschaft zukunftsfähig machen wollen, dürfen wir nicht nur für die nächsten zwei Jahre denken“, sagt er, „sondern für die nächsten Generationen.“ Bio auf dem Teller Wie viel Leidenschaft in der Kantine eines Unternehmens stecken kann, zeigt ein Mittagessen in der Bio-Kantine von Kärcher in Obersontheim. Küchenchef Steffen Heintel erzählt, dass am Anfang der Wunsch nach mehr Regionalität stand. Das passte gut zu dem familiengeführten Unternehmen, das sich der Region stark verbunden fühlt. Doch dabei blieb es nicht. Heute landen überwiegend bio-regionale Mahlzeiten auf den Tellern der Mitarbeitenden. Viele Zutaten kommen inzwischen direkt von Landwirtinnen, Landwirten und Verarbeitern aus der Umgebung. Sowohl in Bayern als auch in Baden-Württemberg hat sich die Staatsregierung zu mehr biologischen und regionalen Produkten in landeseigenen Kantinen verpflichtet. Neben staatlichen Einrichtungen braucht es aber auch Unternehmen, deren Gemeinschaftsküchen mitziehen. Nur so kann der Ausbau der ökologisch bewirtschafteten Flächen gelingen. Regionalmanagerin Tamara Rogalski von der Bio-Musterregion Hohenlohe unterstützt Küchen, die eine solche Umstellung wagen wollen. „Kärcher zeigt wunderbar, was möglich ist, wenn ein Unternehmen mit Eigeninitiative und Freude an guter Küche vorangeht“, sagt sie. Gleichzeitig zeigt der Besuch bei Kärcher, wo die entscheidenden Hebel liegen. Unternehmen müssen bereit sein, ihre Kantinen finanziell zu tragen, und Küchenchefs brauchen Wissen, Motivation und Freiraum, um neue Ideen umzusetzen. Bei Kärcher zahlen die Mitarbeitenden nur den Warenanteil, die übrigen Kosten übernimmt das Unternehmen. Das erleichtert die Umstellung erheblich. „Und schmecken muss es natürlich“, weiß Steffen Heintel. LBV MAGAZIN 1|26 21 FOTOS: HANNA MATTHEIS (2) Bio-Landwirt Julian Klopfer
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