LBV magazin 1-26

LBV MAGAZIN 1|26 15 neben dem Weg summt und brummt es. Verschwinden diese Lebensräume, wird auch das Rebhuhn zur Rarität. Symbol einer gesunden Landschaft Das Rebhuhn ist in Deutschland und vor allen Dingen auch in Bayern ein Teil unserer Kultur und steht für die Vielfalt einer vom Menschen geschaffenen Landschaft. Es wird in Liedern besungen und in Gedichten und Geschichten gefeiert. Es ist mehr als nur ein einzelner Vogel. Es ist ein Gradmesser für die Gesundheit unserer Landschaft und ein Symbol für abwechslungsreiche Feldfluren. Wo Blühflächen kleiner werden, Brachstreifen umgepflügt und Hecken entfernt werden, sind Insekten rar und das leise “Kirrr-kirr” des Rebhuhns verstummt – ebenso wie die Rufe vieler anderer Arten. Darüber hinaus ist das Rebhuhn ein sympathischer Vogel. Unscheinbar und gut getarnt findet es in den kleinräumigen Strukturen Lebensraum. Es lebt in lebenslanger Partnerschaft, auch wenn sein Leben oft recht kurz ist. Zudem hat es einen dauerhaften Familienzusammenhalt. Die Küken überwintern mit ihren Eltern im Familienverband, bis im Frühjahr die Balz der Hähne beginnt. Ein Zukunftsbild und ein Auftrag Bereits 1991 wurde das Rebhuhn zum Vogel des Jahres gekürt, um auf seinen dramatischen Rückgang in den 1980er Jahren aufmerksam zu machen. Es wurden Rufe nach einer Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und Jägerschaft laut. Alle hatten das gemeinsame Ziel, das Rebhuhn zu fördern, wenn auch mit unterschiedlicher Motivation. So schien eine Lösung nah für eine Landschaft, die nicht nur Nahrung produziert, sondern auch Heimat für Rebhuhn, Ortolan, Grauammer, Feldlerche, Neuntöter und Mensch bietet. Doch 35 Jahre später ist die Lage unverändert dramatisch. Im Bericht zur Bestandssituation der Vögel Deutschlands basierend auf Daten aus dem Zeitraum von 1998 bis 2022 verzeichnen typische Bewohner des Feuchtgrünlands Bestandsabnahmen, darunter das Rebhuhn mit 66 Prozent. Monitoring-Daten aus dem laufenden Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ zeigen einen konstant niedrigen Bestand mit einem durchschnittlichen Bruterfolg von knapp über fünf Jungvögeln pro Paar. In der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Rebhuhn weiterhin als „stark gefährdet“ eingestuft, ebenso wie der Kiebitz, der Wachtelkönig und zahlreiche weitere typische Vögel der Agrarlandschaft. Lokal ist das Rebhuhn bereits ausgestorben, und an manchen Orten sind die Populationen so klein, dass ihr Fortbestand auf Dauer unwahrscheinlich ist. Es besteht deshalb dringender Handlungsbedarf. Was wir alle tun können Die erneute Wahl zum Vogel des Jahres 2026 ist ein Appell. Es ist höchste Zeit sich dafür einzusetzen, dass der charakteristische Ruf des Rebhuhns auch in Zukunft noch oder wieder in der Landschaft zu hören ist. Wer helfen will, kann eigene Beobachtungen von Rebhühnern im Rahmen des RebhuhnMonitorings dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) melden, mit dem der LBV zusammenarbeitet. Ebenso hilft eine Flächenpatenschaft für Blühflächen oder Hecken, um geeignete Lebensräume zu schaffen. Kleine naturnahe Bereiche in Gärten und auf dem Land helfen den Insekten und damit indirekt den Küken der Feldvögel. Der LBV unterstützt mit seinem politischen Engagement zudem eine Agrarwende, die die Biologische Vielfalt fördert. Denn dort, wo das Rebhuhn (wieder) ruft, spüren auch wir Menschen, wie gut die Vielfalt der Natur tut. Eine artenreiche Landschaft lädt zum Durchatmen und Entschleunigen ein. Naturschutz ist keine Einschränkung, sondern ein Gewinn für die Lebensqualität. DR. ANGELIKA NELSON Biologin, LBV-Umweltbildung E-Mail: angelika.nelson@lbv.de Ein Rebhuhn-Weibchen durchstreift die Agrarlandschaft. Dick aufgeplustert trotzen Rebhühner dem Winterwetter. „Rufe nach einer Zusammenarbeit wurden laut“ FOTOS: DR. CHRISTOPH MONING (2)

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