FOTOS: RALPH STURM (2), GUNTHER ZIEGER Eine unverkennbare Stimme der Feldlandschaft steht im Mittelpunkt des Jahres 2026: das Rebhuhn. Wer ihm begegnet, erlebt nicht nur einen scheuen Hühnervogel, sondern eine vielfältige, lebendige Feldflur, in der es summt und brummt. Doch dieser Lebensraum ist selten geworden und mit ihm das Rebhuhn. Wo seine Lebensräume erhalten oder wiederhergestellt werden, profitieren auch unzählige andere Arten – und am Ende auch wir Menschen. Frisch geschlüpft und schon auf Entdeckungstour: Rebhühner haben große Gelege. Im Jugendkleid ist der junge RebhuhnVogel noch gut getarnt in Feld und Wiese. An einem warmen Junimorgen fällt die erste Morgensonne auf einen Feldweg zwischen Wiesen und Äckern. Vom Weg aus eröffnet sich der Blick auf eine abwechslungsreiche Landschaft: breite Blühstreifen voller Hummeln, Schmetterlinge und Käfer, kleine Brachen, in denen sich Wildkräuter ungestört entwickeln können, artenreiche Heckenstrukturen und lichter Ackerbau mit offenen Stellen für bodenbrütende Vogelarten. Immer wieder raschelt es im Gras. Es ist eine Familie aus Rebhühnern, die nach Nahrung Ausschau hält. Sie bewegt sich vorsichtig und immer etwas verborgen, auf der Suche nach Insekten, die sie hier reichlich findet. Währenddessen singen Feldlerchen hoch über den Feldern und Ortolane tragen ihre helle, klare Strophe von den Rändern der Hecken vor. Von einem Heuballen in der Wiese ertönt das monotone „drrrüpp“ der Grauammer. Auf dem nächstgelegenen Lesesteinhaufen zeigt sich kurz ein Neuntöter auf seiner Warte. Lebendige Felder und Äcker Was heute klingt wie eine Utopie, war einst Realität. Bis in die 1980er Jahre sah es vielerorts so aus und das Rebhuhn war ein vertrauter Bewohner der Felder und Wiesen. Im Gäuboden beispielsweise, wo die Donau über Jahrtausende breite Schwemmlandflächen geschaffen hat, nutzten Rebhühner die Altgrasstreifen und deckungsreichen Feldraine, und fanden in Hecken Rückzugsorte. Solche Strukturen wirken auf den Menschen oft unscheinbar, doch sie sind wichtige Bindeglieder. Sie ermöglichen es Tieren, sich im Gelände zu bewegen und bieten ihnen Schutz, Futter und Ruhe. Was für uns nur ein Streifen aus Disteln, Wildkarotten und Rainfarn ist, ist für das Rebhuhn eine Lebensader und Kinderstube. Auch die Strukturen selbst erzählen Geschichten. Feldraine, die vielleicht vor Jahrzehnten der Grenzmarkierung oder Erosionsminderung dienten, sind heute Biotopbänder. Und in den lockeren Staudenfluren LBV MAGAZIN 1|26 13
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