Der Seidenschwanz - Besuch aus dem Norden

Naturschauspiel bald auch in Bayern zu beobachten

Seidenschwanz auf Schneeballstrauch mit Beeren (F: D. Hopf)
Seidenschwanz auf Schneeballstrauch mit Beeren (F: D. Hopf)

18.11.2016 - Bayern erwartet in Kürze ein seltenes Naturschauspiel, denn Scharen des exotisch anmutenden Seidenschwanzes sind auf dem Weg in den Freistaat. Zahlreiche Trupps der im Norden Eurasiens beheimateten Vögel ziehen zurzeit aufgrund der dortigen Nahrungsknappheit in den Süden. Da erste Vögel schon in Thüringen und Nordrhein-Westfalen gesichtet wurden, erwarten wir die baldige Ankunft der Seidenschwänze. Beeren oder Knospen tragende Hecken und Gehölze können dann zu einem spektakulären Schauplatz als Überwinterungsquartier werden. Die bunten Seidenschwänze sind mit etwas Aufmerksamkeit leicht an ihrer unverkennbaren Federhaube und den auffällig gefärbten Flügelspitzen zu erkennen. Wer den nordischen Vogel entdeckt, kann ihn gerne dem LBV unter vogelzaehlung@lbv.de melden.

Großer Einflug für diesen Winter erwartet

Seidenschwanztrupp auf Baum (F: W. Borok)
Seidenschwanztrupp auf Baum (F: W. Borok)

Hauptauslöser des massenhaften Einflugs der Seidenschwänze während der Wintermonate ist die Nahrungsknappheit in seinem eigentlichen Verbreitungsgebiet. Da sie nicht mehr genügend zu fressen finden, verlassen sie in Schwärmen ihre Heimat und ziehen in Gebiete, die ausreichend Nahrung bieten. Weil derartige Abwanderungen aus den Brutgebieten sehr unregelmäßig sind und nur alle paar Jahre vorkommen, gilt der Seidenschwanz auch als so genannter "Invasionsvogel". Dies war in Bayern zuletzt im Winter 2012/13 zu beobachten. Anders als in durchschnittlichen Jahren wurden seit Oktober deutschlandweit bereits mehr als zehnmal so viele Seidenschwänze gezählt wie im Vorjahr. Diese Entwicklung ist ein gutes Zeichen, dass auch viele Seidenschwänze zu uns nach Bayern kommen.

Die seltenen Gäste können dann wahrscheinlich bis in den März hinein beobachtet werden. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Seidenschwänze liegt in den Wäldern der nördlichen Hemisphäre und reicht von Skandinavien bis Sibirien. Auf ihrem Zug in den Süden haben die auffälligen Vögel bereits das Vereinigte Königreich, die Niederlande und die deutsche Nord- und Ostseeküste passiert.

Beeren und Früchte als beliebte Winterspeise

Seidenschwanz auf Apfelbaum (F: C. Moning)
Seidenschwanz auf Apfelbaum (F: C. Moning)

Den Seidenschwanz zu erkennen gelingt selbst dem ungeübten Vogelbetrachter mit etwas Aufmerksamkeit: Er hat ein beige-braunes Gefieder, trägt eine auffällige Federhaube auf dem Kopf und hat einen kurzen, rotbraunen Schwanz mit einer leuchtend gelben Spitze. Seine dunklen Flügel zieren auffällige weiße und gelbe Zeichnungen und die Spitze der Armschwinge ist scharlachrot gefärbt. Außerdem hat der er etwa starengroße Vogel einen hohen, trillernden Ruf.

Beobachten kann man die exotisch anmutenden Vögel vor allem in Gärten und Parks, in denen Rosengewächse mit Hagebutten, Ebereschen und Ligusterhecken wachsen. Die Seidenschwänze haben es im Winter auf Früchte und Beeren abgesehen, vor allem die weißen Früchte der Mistel sind besonders begehrt. Wie viele Tiere an einem Ort zu sehen sind, hängt vom Nahrungsangebot ab: Je reichhaltiger das Beerenbuffet in den Garten und Parks, desto größer sind auch die Trupps.

Beobachtungen melden!

Die Einflüge der Seidenschwänze können sehr unterschiedlich sein und von so genannten "Invasionsjahren" mit vielen Tausend registrierten Vögeln bis zu äußerst schwachen Einflügen von nur wenigen Individuen reichen. Für Vogelkundler ist es deshalb wichtig zu erfahren, wo und wie viele Seidenschwänze sich in Bayern aufhalten und welches Verhalten sie an den Tag legen (z.B. rastend, Nahrung suchend bzw. fressend, umherfliegend oder ziehend). Teilen Sie uns Ihre Sichtungen und Beobachtungen per E-Mail (vogelzaehlung@lbv.de) mit. Alternativ können Sie ihre Beobachtungen auch direkt auf der Seite www.ornitho.de des DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.) eingeben.


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