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Muhr am See
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03.09.2010
Muhr am See
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Fürth
Flora und Fauna entlang der Pegnitz zwischen der Brückenstraße und Stadtgrenze [...mehr]
04.09.2010
Fürth
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Muhr am See
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06.09.2010
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Als Ameise durch die Wiese [...mehr]
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Allersberg
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Scheyern
Kartoffeln – leckere Knollen im Boden! [...mehr]
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Altenau, Foto: U. Dopheide
Die Ammer in der Schnalz. Foto: M. Layritz
Lindergries, Foto: M. Layritz

Die Ammer, ein wunderschöner Fluss

Die Ammer ist ein Fluss von besonderer Schönheit. Die Ammerquelltöpfe liegen zwischen Graswang und Ettal. Oberhalb davon erstreckt sich auf über 10 km Länge das Kiesbett der Linder, die meist  unterirdisch als Quellfluss der Ammer fließt.  Das weite, kiesige Lindergries gibt große Mengen Kies an die Ammer ab. Auch die Halbammer, die auf der Höhe von Altenau in die Ammer mündet, gibt bei Hochwasser viel Geschiebe in die Ammer ab und trägt wesentlich zur Landschaftsdynamik der Ammer bei. 

Die Ammer durchfließt Oberammergau, das Naturschutzgebiet Weidmoos, Unterammergau und Weilheim und mündet nach gut 70 km Fließstrecke in den Ammersee.

Auf ihrem Weg durchfließt die Ammer das Naturschutzgebiet Ammerschlucht, ein einzigartiges, canyonartiges Tal von faszinierender Wildheit. Auch die Wildflussstrecken bei Altenau und an der Schnalz sind bezaubernd schön. Der Unterlauf mit dem Delta und dem Naturschutzgebiet „Vogelfreistätte Ammersee-Süd“ besitzt eine herausragende biologische Vielfalt.

Tiere und Pflanzen an und in der Ammer

Bachforelle (Foto:S. Hanfland)
Koppe (Foto:S. Hanfland)

Fische und andere Wasserbewohner

An der Ammer trafen - und treffen in Reliktbeständen auch heute noch - typische Vertreter der Forellen- und Äschenregion, wie Bachforelle, Äsche, Mühlkoppe, Elritze und Schmerle auf strömungsliebende Flussfischarten, die ansonsten eher der Barbenregion oder wärmeren Niederungsflüssen zugehören, wie Nase, Huchen, Barbe, Aitel, Hasel, Gründling, Schneider, Nerfling und Schied. Zusätzlich zählen anspruchslosere Fischarten wie Flussbarsch, Brachse, Hecht, Laube und Rotauge zur ursprünglichen Ammerfischfauna. Nicht zuletzt lebten hier sogar reine Stillwasserbewohner, z.B. Bitterling, Karausche, Rotfeder, und Schlammpeitzger, welche insbesondere in den seenahen Altarmen geeignete Lebensbedingungen vorfanden. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts ist von einem Arteninventar von etwa 30 heimischen Fischarten und zwei Krebsarten (Edelkrebs, Steinkrebs) im Ammersystem auszugehen.

Weitere Juwele an und in der Ammer

Die Ammer bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So sind die Kiesbänke Lebensraum für sehr seltene Tierarten wie Flussuferläufer und Flussregenpfeifer. Auch die vom Aussterben bedrohten Kiesbankgrashüpfer, Turkdornschrecke und gefleckte Schnarrschrecke haben hier Restvorkommen. 

An weiteren Besonderheiten sind auch seltene Pflanzen, wie die deutsche Tamariske, an dem Fluss zu finden. Auch Lavendelweiden und einige Hochgebirgspflanzen wie bestimmte Glockenblumen, Alpen-Gänsekresse, Alpen-Leinkraut, das gelbblütige Habichtskraut und noch viele weitere Arten, die vom Fluss nach unten geschwemmt wurden, kommen hier vor.

Eisvogel und Wasseramsel sind ebenso an der Ammer beheimatet wie der seltene Schwarzstorch.

Auch die Amphibien- und Reptilienfauna ist reichhaltig: So sind z.B. Erdkröten, Zauneidechsen, Blindschleichen, Kreuzotter und Ringel- und Schlingnatter in den Ammerauen zu finden.

Und natürlich kommen an ihr noch viele weitere Arten vor, z.B. über 1000 Insekten-Arten!

 

Anträge für Wasserkraftanlagen an der Ammer

Flusskilometer 131,451, hier ist ein Wasserkraftwerk geplant
Das Schnalzwehr
Flusskilometer 127,24

Bisher liegt an der Ammer nur ein kleines Wasserkraftwerk. Die Ammer ist im Unterschied zu allen anderen den Alpen entspringenden Flüssen nirgends durch Stauseen aufgestaut und besitzt ein natürliches Wasserregime. Daher bietet sich für den Freistaat Bayern die einmalige Chance, die Ammer zum Vorzeigeprojekt für einen weitestgehend renaturierten Fluss in einer Kulturlandschaft zu machen, an dem Freizeitnutzung und Hochwasserschutz vorbildlich gelöst sind.

Doch jetzt liegen  für die Ammer 11 Anträge für neue Wasserkraftanlagen vor.

 
Die Anträge sind für die Flusskilometer (fkm):

 
150,68 Schnalzwehr

131,45 Oderdinger Wehr (3x)

129,44 Auwehr

127,24 Grundwehr 1/Klär-Wehr (3x)

125,48 Grundwehr 3/Moos-Wehr (3x).

 

Fast der gesamte Ammerverlauf ist als FFH- Gebiet, also als Schutzgebiet von europäischer Bedeutung ausgewiesen. Neue  Kraftwerke widersprechen eindeutig dem Verschlechterungs-verbot in FFH-Gebieten. Jedes Kraftwerk verhindert, dass die für das Flusssystem schädlichen Schwellen und Wehre in den nächsten 30 Jahren renaturiert werden können, wahrscheinlich sogar weit darüber hinaus.

 
Besonders der Antrag für das Schnalzwehr ist erschreckend, da dieses in der einzigartigen Ammerschlucht liegt! Die Ammerschlucht ist als ganzes europäisches Schutzgebiet und in weiten Teilen Naturschutzgebiet. Zudem ist sie ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Diese herausragende Wildflussstrecke darf nicht durch ein Kraftwerk geschädigt werden.

 
Die Anträge für Kraftwerke wurden von fünf verschiedenen Antragstellern eingereicht. Diese sind die Alz-Gruppe (besitzt 2 Kleinkraftwerke an der Alz, verkauft den Strom an e.on), die Unternehmensberatung Fontin and Company, und drei Privatpersonen.

Schäden an der Fischfauna und andere Auswirkungen durch Wasserkraft

Aal nach dem Durchqueren einer Turbine
Schäden an Fischen durch Turbinen

Wasserkraftwerke haben immer Auswirkungen auf die im Fluss beheimateten Fische.
Auch Fischwanderhilfen ermöglichen in der Regel nur eine eingeschränkte Fischwanderung. Nicht alle wanderwilligen Fische finden den Aufstieg in die Wanderhilfe oder sie schaffen den kräftezehrenden Aufstieg nicht. Bei naturnahen Rauen Rampen sieht dies grundsätzlich anders aus.
Aber selbst wenn vorbildliche Fischwanderhilfen gebaut werden, behindern Kraftwerke die Durchgängigkeit des Flusses: Beim flussabwärts wandern geraten die Fische in die Kraftwerksturbinen.
Fische wandern flussabwärts, um von den Laichplätzen in Nahrungsgebiete zu gelangen, oder Winterlager oder andere Nahrungslebensräume aufzusuchen. Dabei folgen sie denstärksten Strömungen und werden direkt in die Turbinen hineingezogen.

 

 Im Schnitt stirbt etwa jeder 3. bis 4. Fisch, der eine Turbine durchquert. Je nach Turbinentyp und Fischart können sogar durchschnittliche Tötungsraten von über 90% erreicht werden!
Das Bild des Fischsterbens durch Turbinen ist blutig. Ein großer Teil der Tiere wird regelrecht gehäckselt. Oftmals jedoch erleiden Fische auch innere Blutungen, Knochenbrüche und schwerste Quetschungen, andenen sie erst nach ein paar Stunden verenden.
 Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass neben Aalen auch ein erheblicher Anteil anderer Fischarten wie z.B. Brachsen, Forellen, Lauben und Rotaugen beim Durchqueren von Turbinen getötet oder schwer verletzt wurden. Große Fische kommen meist nicht durch die Turbinen, da ein Rechen sie vorher abhält. Zwar überleben sie so meist, aber die Durchgängigkeit des Flusses ist nicht gegeben.
Und das sind noch lange nicht alle Folgen. Kraftwerke stauen den Fluss an. Dadurch kommt es vor dem Kraftwerk zur Verlangsamung des Wassers, die Schwebstoffe sinken zu Boden und verschlammen die früheren Kieslaichplätze.
Am Boden werden die Schwebstoffe zersetzt und eutrophieren den Fluss.
Die meisten Stauschwellen sind zudem Geschiebesperren. Im Unterwasser entsteht Geschiebemangel und dadurch nimmt die Dynamik im Gewässerbett ab. Auch der Temperaturhaushalt verändert sich. Im Sommer wird der Fluss etwas wärmer. Die Fischzusammensetzung verändert sich, anpassungsfähige Arten breiten sich aus. Besonders negativ wirkt sich ein Kraftwerk auch auf die Kleinstlebewesen aus.

Klimaschutz durch Wasserkraft?


Der Nutzen von kleinen Wasserkraftwerken ist sehr gering. Sie tragen kaum zur Reduzierung von CO2 bei, da sie nur wenig Strom produzieren.

In Bayern gibt es 4.207 Wasserkraftanlagen (Stand 2007). 92% des gesamten Stromes dieser Wasserkraftwerke (insgesamt etwa 13.000 GWh Strom/Jahr) wird von 220 großen Kraftwerken erzeugt (Leistung jeweils > 1 MW). Diese liegen hauptsächlich an den großen Flüssen wie Donau, Main, Isar, Inn, Lech und Iller. Die rund 4.000 kleinen Wasserkraftwerke bringen nur 8 % des von Wasserkraft erzeugten Stroms und zerstören dabei an die 1.000 bayerische Bäche und Flüsse.  

Den Antragstellern für die Kraftwerke in der Ammer geht es nicht um die Umwelt oder die Ammer, sondern ums Geld. Ginge es ihnen um die Umwelt, so hätten sie schon längst ihre Anträge stellen können. Erst mit der Anhebung der Einspeisevergütung zum 1.1.2009 von 9,67 auf 12,67 Cent pro kWh wird der Bau neuer Kraftwerke lukrativ. Sie werden mit dem Geld der Steuerzahler hoch subventioniert.

Die Subventionen sind an die Bedingung geknüpft, dass das Gewässer einen guten ökologischen Zustand erreicht. Dazu reicht nach den Vorgaben des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) schon eine Fischtreppe an einer bestehenden Schwelle.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim plant jedoch, die Wehre und Sohlschwellen zu renaturieren und die Ammer biologisch  durchgängig zu machen. Da dieser Plan noch nicht "konkret" genug sei, zählt er laut Umweltministerium nicht als Gegenargument zu den Kleinkraftwerken, obwohl sie ihn zunichte machen würden. Das bayerische Umweltministerium muss hier zum Wohle der Natur umdenken!

Für eine naturnahe Ammer!

pdf Info_Ammer_Wasserkraft_030309.pdf    Das ganze nochmal zum Nachlesen und noch ein bisschen mehr steht auch in dieser pdf.

 

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