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Neue Studie: Auswirkungen des zunehmenden Biogas-Substratanbaus auf die Wiesenweihe im Raum Gollhofen

An diesem Grünroggen-Feld bei Uffenheim im Mai 2011 befand sich ein Revier einer Wiesenweihe (Foto: J. Lenz)

Mit großer Besorgnis verfolgen die Wiesenweihenschützer des LBV die rasante Zunahme der Biogasnutzung in den bayerischen Brutgebieten der Wiesenweihe. Erste negative Auswirkungen konnten beobachtet werden. Grünroggenbestände, wie der Bestand auf dem Foto von Anfang Mai 2011 bei Uffenheim, ziehen Wiesenweihen stark an, denn Grünroggen steht im Vergleich zu allen anderen Anbaufrüchten zum Zeitpunkt der Brutplatzwahl bereits sehr hoch und dicht. Der Grünroggen wird jedoch schon in der Eiablagephase und der Phase des Brutbeginns im Mai als Biogassubstrat geerntet und stellt daher eine große Gefahr für Wiesenweihenbruten dar. Im Jahr 2011 förderte schließlich das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Erstellung einer Studie zu den Folgen des verstärkten Anbaus von Energiepflanzen.

Giftmord auf dem Acker

Kornweihe jagt im Getreideacker (Bild: Z. Tunka)

Illegaler Giftköder tötet hochbedrohte Kornweihe

06. Oktober 11: Ein Giftanschlag hat den Bemühungen des LBV um den Schutz der Kornweihe einen herben Rückschlag versetzt: Ein Jungvogel der ersten erfolgreichen Brut seit zehn Jahren in Bayern wurde in Spanien vergiftet aufgefunden. Der Fund ist einer Spürhundestaffel zu verdanken, die in Andalusien im Rahmen eines EU-Projektes illegale Giftköder ausfindig macht. Auch hierzulande werden laut LBV immer wieder Greifvögel vergiftet und damit aufwändige, oft mit Steuergeldern unterstützte Schutzbemühungen konterkariert.

Der LBV setzt sich gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt in landesweiten Artenhilfsprogrammen seit Jahren für bedrohte Greifvögel ein. Die letztjährige Kornweihenbrut im Landkreis Kitzingen war ein großer Erfolg dieser Programme und eine Sensation. Denn mit deutschlandweit nur noch 60 – 80 Paaren ist der kleine Greifvogel eine der seltensten Vogelarten Deutschlands. Die letzte Kornweihenbrut in Bayern liegt sogar mehr als zehn Jahre zurück.  „Jeder Jungvogel zählt für das Überleben der Kornweihe in Deutschland“, so Dr. Andreas von Lindeiner, Artenschutzreferent des LBV. „Dass nun ausgerechnet ein bayerischer Jungvogel in Spanien tot aufgefunden wurde, ist daher besonders schmerzlich.“ Labortests haben eine Vergiftung mit Carbofuran ergeben, einem auch hierzulande immer wieder illegal eingesetzten Insektizid.

[zur Pressemeldung]

Raffinierte Methodik

Susann Janowski präsentiert eines der "Kunsteier" für die Blutentnahme an brütenden Wiesenweihenweibchen. Foto: Günsche

Schon lange fragen sich die Wiesenweihenschützer des LBV wie es zu dem vielbeachteten Populationswachstum der Wiesenweihen in Mainfranken kommen konnte. Eine spannende Frage, die durch raffinierte wissenschaftliche Methodik beantwortet werden soll. Im Rahmen der üblichen Nestkontrollen platziert Susann Janowski, Doktorandin der Universität Heidelberg und erfahrene LBV-Wiesenweihenschützerin ein durchlöchertes Kunstei in die Nester der Weihen. Im Ei sitzt eine große, hungrige Raubwanze. Obwohl das Kunstei nun im Nest liegt, fliegen die Weibchen wieder ins Nest ein, brüten weiter und innerhalb von ca. vier Stunden ist die Wanze voll gesaugt. Dann wird das Ei samt Wanze wieder herausgenommen.

Da die ehrenamtlichen Mitarbeiter des LBV schon seit vielen Jahren Blutproben aller unterfränkischen Jungvögel nehmen, kann Susann Janowski nun über komplexe DNA-Analysen auch auf den Vater der Brut schließen. Über die Erstellung von Stammbäumen und Lebensläufen unterfränkischer Wiesenweihen können zahlreiche Fragen beantworten werden, die für den Schutz der Wiesenweihen von großer Bedeutung sind. So lassen sich u.a. die Rückkehrraten der Jungvögel bzw. der Anteil zugewanderter Tiere aus anderen Populationen bestimmen. Damit kann außerdem der Gefährdungsgrad und die Bedeutung der mainfränkischen Population für den deutschen und europäischen Brutbestand eingeschätzt werden. Überdies werden umfangreiche Erkenntnisse über den Bruterfolg und die Ortstreue von brütenden Weihen unter verschiedenen Umweltbedingungen und unter Veränderungen in der Landwirtschaft gewonnen.

Juli 2011: eine verlustreiche Saison

Bild: Pürckhauer

Die Wiesenweihen-Saison 2011 ist noch nicht beendet, doch zeigt sich bereits jetzt, dass es in diesem Jahr in Mainfranken ungewöhnlich viele Brutverluste gab. Einige Paare konnten zum Glück noch ein Nachgelege produzieren. Die Zahl flügger Jungvögel wird aber sicherlich unter dem guten Vorjahresergebnis liegen. Lokal schien es einen Mangel an Feldmäusen in Mainfranken gegeben zu haben. Dennoch können wir uns freuen: die Gesamtzahl brütender Wiesenweihenpaare wird in diesem Jahr in Bayern ungefähr auf dem hohen Niveau des Vorjahres liegen (2010: 173 brütende Paare).

Wiesenweihe 2010: hoher Einsatz, guter Bruterfolg...

Foto: Tunka

2010 war wieder ein gutes Brutjahr für die bayerischen Wiesenweihen - die Schutzmaßnahmen des LBV-Artenhilfsprogramms haben nicht nur für ein gutes Brutergebnis gesorgt, sondern hatten auch neuerliche deutliche Bestandszuwächse zur Folge. Das "Rückgrat" dieses Erfolgs bildet das enorme Engagement der ehrenamtlichen LBV-Mitarbeiter: Insgesamt wurden allein in Mainfranken in diesem Jahr mehr als 3.000 Std. für die Wiesenweihe von 40 Ehrenamtlichen geleistet. Sie fuhren 45.000 km auf den Feldwegen, um die Reviere und Horste ausfindig zu machen und überzeugten 130 Landwirte beim Schutz dieser spannenden Vogelart mitzuhelfen. In Mainfranken sind es fünf Personen, die den größten Teil der Arbeit leisten: Edgar Hoh, Herbert Klein, Ralf M. Krüger, Otmar Leuchs und Gudrun Pauldrach. Ihnen, aber auch allen weiteren Helfern gebührt großer Dank.

 

...aber auch neue Gefahren:

Foto: Pürckhauer

Trotz der jüngsten Erfolge schauen die bayerischen Wiesenweihenschützern leider nicht sorglos in die Zukunft: Sie beunruhigt vor allem der derzeit zunehmende Anbau nachwachsender Rohstoffe in den bayerischen Brutgebieten der Wiesenweihen. Zahlreiche negative Auswirkungen sind zu befürchten. Bereits 18 Paare brüteten dieses Jahr in Bayern in nachwachsenden Rohstoffen. Mindestens 18 weitere Paare hatten ein Revier am Biogas-Getreide besetzt und einige dieser Paare hatten möglicherweise auch schon Eier gelegt, bevor die Flächen geerntet wurden. Die Bruten in und an nachwachsenden Rohstoffen sind besonders gefährdet, ausgemäht zu werden oder durch Störungen bei Bearbeitung und Ernte angrenzender Flächen verloren zu gehen. Um diese aus Erfahrung genährten Befürchtungen mit harten Fakten zu untermauern, plant der LBV für 2011 eine Studie zu den vielfältigen Auswirkungen des zunehmenden Anbaus nachwachsender Rohstoffe auf
die Wiesenweihen.

Neue Auflage der Wiesenweihen-Broschüre erschienen

Wer mehr Informationen über die Wiesenweihe sucht, als wir Ihnen auf dieser Website bieten können, der kommt an der umfangreichen, vom LBV erstellten und vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) herausgegebenen Wiesenweihe-Broschüre nicht vorbei: Dort finden Sie auf 40 Seiten eine Fülle an Details zu Lebensweise und Schutz der Wiesenweihe. Erst 2009 aufgelegt, zwischenzeitlich aber vergriffen, ist diese Broschüre nun endlich wieder verfügbar: Vor kurzem ist die deutlich verbesserte 2. Auflage erschienen. Die Broschüre kann kostenlos beim Bayerischen Landesamt für Umwelt bestellt werden und steht dort auch als Download zur Verfügung.

Brutsaison 2010: Anstieg der Brutpaarzahlen, aber viele Verluste nach dem Schlupf

Abstreichendes Wiesenweihen-Weibchen. Foto: Tunka

Im Jahr 2010 nahm der Bestand der Wiesenweihe weiter zu: insgesamt brüteten 173 Paare in Bayern. Ein großer Erfolg des LBV-Artenhilfsprogrammes. Die meisten Paare siedelten sich wieder in Mainfranken an.

Ungewöhnlich viele Bruten gingen jedoch nach dem Schlupf der Küken verloren. So lag in Bayern die Fortpflanzungsrate mit 2,14 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar unter dem langjährigen Durchschnitt von 2,21. Warum es gerade dieses Jahr zu so vielen Verlusten unter Küken und Jungvögeln kam, bleibt unklar. Eigentlich sind hohe Verluste typisch für Jahre mit geringem Feldmausvorkommen, aber in diesem Jahr wurde in Mainfranken und im Nördlinger Ries ein guter Feldmausbestand verzeichnet.

Besonders erfreulich war der deutliche Anstieg der Brutpaarzahlen im Nördlinger Ries auf 17 brütende Paare. Zusätzlich konnten erstmals seit Beginn des Artenhilfsprogrammes zwei Bruten in Oberfranken nachgewiesen werden (Landkreis Bamberg). Außerdem kam es zu einem Brutversuch in Mittelfranken im Feuchtgrünlandbereich des Wiesmet. Allein in Niederbayern war die Situation wenig erfreulich. Dort sank der Bestand von sieben Paaren im Vorjahr auf vier Paare in diesem Jahr. So wenig Brutnachweise gab es dort letztmals im Jahr 2003. Die detaillierten Ergebnisse der Brutsaison finden Sie hier.

Februar 2010: Bilanz der Brutsaison 2009

Im Jahr 2009 ist die Anzahl der brütenden Wiesenweihen in Bayern mit 155 Paaren auf dem erstaunlich hohen Niveau der beiden Vorjahre geblieben. Ein hervorragendes Ergebnis. Betrachtet man jedoch den Bruterfolg relativeren sich die Zahlen, denn fast 40 Prozent der Paare hatten gar keinen flüggen Nachwuchs. Das ist aber nicht ungewöhnlich, da in diesem Jahr nur wenig Feldmäuse vorkamen. Von Feldmäusen ernähren sich nämlich viele große Beutegreifer der Feldflur, wie z.B. Rohrweihen und Füchse. Treten nur wenige Feldmäuse auf, suchen diese Beutegreifer verstärkt andere Beute, wie eben auch Eier oder Jungvögel der Wiesenweihe. In dieser Saison konnte eine Rohrweihe sogar zweimal direkt dabei beobachtet werden, wie sie ein Nest der Wiesenweihe plünderte. Aber natürlich ist der Bestand der Wiesenweihe in Bayern durch Beutegreifer keineswegs gefährdet. Denn es kann damit gerechnet werden, dass der Bruterfolg in feldmausreichen Jahren wieder deutlich ansteigen wird.

August 2009: Flügge Jungvögel lernen jagen

Junge, flügge gewordene Wiesenweihe greift Beute (Foto: Rudi Lang)

Obwohl die Nahrung knapp war und Beutegreifer wie Rohrweihen und Füchse immer wieder Eier oder Jungvögel der Wiesenweihen erbeuteten, gelang es in Mainfranken doch recht vielen Jungvögeln auszufliegen. Die jungen Wiesenweihen sind nun dabei das Jagen zu erlernen. Im Alter von 5 Wochen machen die Jungvögel noch atemberaubende Bruchlandungen und man fragt sich wie diese tollpatschigen Tiere jemals überleben können. Doch einige Tage später können sie den Beobachter bereits mit einer eleganten, gezielten Punkt-Landung überraschen.

Juli 2009: Wenig Mäuse, leerer Magen

Junge Wiesenweihe im Alter von 25 Tagen (Foto: Rudi Lang)

Die Hauptbeute der Wiesenweihen in Mainfranken ist dieses Jahr knapp: es gibt wenig Feldmäuse. So kommt es, dass sie vermehrt andere Beute wie Heuschrecken, Eidechsen und Kleinvögel jagen müssen. Trotz Nahrungsmangel gibt es unerwartet viele Brutpaare in Mainfranken. Dieses Jahr tauchen Wiesenweihenpaare auch abseits bisher bekannter Brutregionen auf. Eine große Herausforderung für die Wiesenweihenschützer!

März 2009: Jäger und LBV-Wiesenweihenschützer an einem Tisch

Zufrieden mit einer heißen Diskussionsveranstaltung und ihrem versöhnlichen Ende: Herr Endreß (Jagdpächter), Ceara Elhardt (Universität Würzburg), Karl Fleischmann (Jagdpächter), Claudia Pürckhauer (LBV), Gerhard Klingler (Jagdverband) und Eric Imm (Wildland-Stiftung)

03.03.09: „Die fressen uns die ganzen Hasen und Rebhühner…“ Solche entrüsteten Stimmen waren zunächst im großen Saal von Gaukönigshofen im Ochsenfurter Gau deutlich zu hören. Etwa 150 Jagdpächter waren der Einladung von Claudia Pürckhauer, der Koordinatorin des Artenhilfsprogramm Wiesenweihe vom LBV, und Gerhard Klingler, Vorsitzender der Kreisgruppe Ochsenfurt des Bayerischen Jagdverbandes zur Diskussionsveranstaltung gefolgt.

Zunächst stellte Claudia Pürckhauer die Hintergründe und Entwicklungen des Artenhilfsprogramm Wiesenweihe dar: „Gerade durch die enge Kooperation mit Landwirten und Behörden ist unser Programm so erfolgreich. Der Bestand der Wiesenweihe ist von 2 Paaren 1994 auf nun 134 Paare in Mainfranken angewachsen.“ Ceara Elhardt von der Universität Würzburg präsentierte die neuesten Ergebnisse ihrer Analyse der Nahrung der Wiesenweihen in Mainfranken: „Wiesenweihen sind sehr anpassungsfähig. Normalerweise fressen sie circa 60% Kleinsäuger (v.a. Feldmäuse), 20% Kleinvögel und 20% Insekten und andere kleine Beutetiere. Unter 1500 Beutenachweisen aus Gewöllen und Beteresten fand ich nur einen einzigen Nachweis eines jungen Hasen und keinen eines Rebhuhns.“

Unterstützt von Eric Imm von der Wildland Stiftung appellierte Gerhard Klingler an die Jäger, den Einfluss der Wiesenweihe auf Hasen und Rebhühner nicht zu überschätzen. „Es sollte verkraftbar sein, dass der ein oder andere Junghase dran glauben muss“, betonte Imm. Er unterstrich: „Seit der Verabschiedung der Bayerischen Biodiversitäts-Strategie ist es an der Zeit, dass Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd gemeinsame Sache machen und sich zusammen für Artenvielfalt und das Niederwild in der Agrarlandschaft einsetzen.“

Ein Jäger aus dem Publikum hob hervor: „Ich freue mich schon darauf, wenn ich die Wiesenweihen wieder da sind und bin stolz darauf, dass ich in meinem Revier Brutpaare habe.“ Gerhard Klingler fassten die Veranstaltung in einem treffenden Schlusswort zusammen: „Es ist an der Zeit heute umzudenken: statt Konfrontation sichert nur die Kooperation mit dem Naturschutz die Zukunft der Jagd.“

Februar 2009: Fränkische Wiesenweihe im Senegal

In der Vergrößerung gut zu erkennen: Die Flügelmarke der "Blauen 92"...
...aufgenommen im Senegal. Klick vergrößert Bilder. (Bilder: B. Koks)

Nun haben wir endlich den sicheren Nachweis: Unsere fränkischen Wiesenweihen überwintern auch im Senegal. Seit vielen Jahren versehen die ehrenamtlichen Wiesenweihenschützer einen Teil der unterfränkischen Jungvögel mit Flügelmarken. Jetzt erreichte uns eine ganz aktuelle Meldung aus Holland. Ben Koks, ein holländischer Wiesenweihen-Experte hat unsere "Blaue 92" fotografiert und abgelesen. In den Weiten des Sahel und den ausgedehnten Überwinterungsgebieten der Wiesenweihen ist das extrem unwahrscheinlich und ein großes Glück!

Das junge Männchen befand sich in der Nähe eines der großen Wiesenweihen-Schlafplätze bei Touba Khelcom im Landesinneren des Senegal. Dort wurden von den holländischen Kollegen bis zu 5.000 Wiesenweihen gesehen. Gerade Senegal und Mali scheinen sehr wichtige Überwinterungsregionen für unsere mittel- und westeuropäischen Wiesenweihen zu sein.

Unser Vogel wurde übrigens im Landkreis Kitzingen am 12.Juli 2008 im Alter von 28 Tagen markiert.

Die Anbringung der Flügelmarken an den mainfränkischen Wiesenweihen wird von der Sparkasse Mainfranken unterstützt.

Oktober 2008: erstaunlich gute Bilanz dieser Brutsaison

Zu Beginn der Brutsaison 2008 war der Mangel an Feldmäusen in den wichtigsten bayerischen Brutgebieten der Wiesenweihe deutlich spürbar. Die Männchen benötigten häufig viele Stunden um mit einer Beute für das Weibchen zum Nest zurückzukehren.

Im Vorjahr hatte es dagegen eine massenhafte Vermehrung der Feldmäuse gegeben, woraufhin der Brutbestand der Wiesenweihen in Bayern deutlich anstieg. Normalerweise beginnen in Jahren mit nur wenigen Mäusen auch deutlich weniger Weihen mit einer Brut. Nicht jedoch in diesem Jahr!

Denn 2008 siedelten sich schließlich fast genauso viele Paare wie im Vorjahr an. 153 Paare begannen in Bayern mit einer Brut. Der Bruterfolg war dieses Jahr hingegen erheblich geringer als im Jahr zuvor. Viele Nester wurden bereits in der Brutphase ausgeplündert und auch in der Kükenphase traten zahlreiche Verluste auf. Insgesamt konnten aber immerhin 278 Jungvögel in Bayern flügge werden.

September 2008: Auf nach Afrika

Die meisten bayerischen Wiesenweihen sind nun aus ihren Brutgebieten abgezogen. Sie sind auf den Weg ins Winterquartier nach Afrika aufgebrochen. Aber auf ihrem langen Zugweg in die nahrungsreichen Überwinterungs-Regionen südlich der Sahara lauern viele Gefahren. Umso erstaunlicher ist es, dass es ihnen gelingt, Jahr für Jahr in großer Zahl wieder in ihr mainfränkisches Brutgebiet zurückzukehren. Warum Wiesenweihen gerade in Mainfranken in großer Zahl brüten und warum nicht in anderen Regionen Bayerns, soll eine Diplomarbeit der Studentin Sabine Schmidt der Universität Würzburg klären. Wir erwarten mit Spannung ihre Ergebnisse.

Die diesjährigen Brutergebnisse aus Bayern werden zur Zeit zusammengestellt und ausgewertet. 

Juli 2008: Die Brutsaison neigt sich dem Ende zu

Vom Fuchs gefressener Jungvogel bei Volkach, Unterfranken 2008

Die Wiesenweihen-Brutsaison nähert sich ihrem Ende. In diesem Jahr gab es in Mainfranken fast so viele Brutpaare wie im letzten Jahr, aber unter den geschlüpften Jungvögeln müssen wir im Moment fast täglich neue Verluste feststellen. Die Jungvögel fallen häufig Räubern, wie zum Beispiel Füchsen, zum Opfer. In den seltensten Fällen können wir mit Sicherheit sagen, welcher Räuber die Jungvögel getötet hat, denn sie hinterlassen wenig Spuren. Schon jetzt kann man sagen, dass die Anzahl der ausgeflogenen Jungvögel weit hinter den Ergebnissen vom Vorjahr zurückbleiben wird.

Juni 2008: Größter privater Naturschutzpreis an Wiesenweihenschützer!

Verleihung des Bruno H. Schubert-Preises am 11.6.2008 im Kaisersaal des Frankfurter Römers, von links: Gudrun Pauldrach, Prof. Niekisch (Vorsitz. des Kuratoriums), Ralf Krüger, Herbert Klein, Carl-Albrecht von Treuenfels (Laudator), Otmar Leuchs und Edgar Hoh. (Bild: C. Pürckhauer)

Die ehrenamtlichen LBV-Wiesenweihenschützer haben gestern in Frankfurt den Schubert-Preis erhalten. Einige Preisträger vor ihnen: Jaques Cousteau, Klaus Töpfer, Jochen Flasbarth. Den größten privaten Naturschutzpreis Deutschlands erhielten sie für ihr herausragendes Engagement für die mainfränkischen Wiesenweihen. Denn ohne den außergewöhnlichen jahrelangen Einsatz dieser kleinen Gruppe von LBVlern gäbe es heute die größte zusammenhängende Wiesenweihen-Population Mitteleuropas in Mainfranken nicht. (>>zur Laudatio von Carl-Albrecht von Treuenfels)

„Ich flieg mal schnell da `rüber “ Herbert Klein deutet auf einen entfernten Hügel mitten in der weitläufigen Agrarlandschaft Mainfrankens. Am Ende jeder Brutsaison „fliegen“ die Wiesenweihenschützer um Ralf Krüger, Edgar Hoh, Gudrun Pauldrach und Otmar Leuchs nur noch. Täglich von früh bis spät sind sie im Gelände mit dem Auto unterwegs um die versteckten Nester der Wiesenweihen am Boden der Ackerflächen ausfindig zu machen. Mit großer Erfahrung und geradezu detektivischem Gespür entdecken sie schließlich die unauffälligen Horste.

Doch damit ist es nicht getan. Es folgen lange Gespräche mit den Landwirten, die überzeugt werden müssen, eine Restfläche bei der Getreideernte um die Nester stehen zu lassen, damit die kleinen Jungvögel geschützt erwachsen werden können. Denn meist kommt die Ernte zu früh und die kleinen Wiesenweihen-Küken können noch nicht fliegen.

Zusätzlich betreibt die Gruppe der Wiesenweihen-Schützer Grundlagenforschung zur Biologie dieser seltenen, grazilen Greifvogelart und arbeitet eng mit den Behörden zusammen z.B. bei Eingriffen, wie Windenergie-Planungen im Wiesenweihen-Brutgebiet. So hat sich das mainfränkische Wiesenweihen-Schutz-Programm zu einem international bedeutsamen Schutzprojekt entwickelt. Wir gratulieren den Preisträgern!

Juni 2008: Wiesenweihenausstellung zieht durch die Landkreise Würzburg und Kitzingen

Das „Wunder von Mainfranken“ kann seit kurzem anhand einer sehr anschaulichen Ausstellung für Groß und Klein in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen bestaunt werden. Neben Erläuterungen zur Brutbiologie und Bestandsentwicklung erfährt man Spannendes über die effektive Zusammenarbeit des Naturschutzes mit unseren Partnern aus der Landwirtschaft.

Zu sehen ist die Ausstellung noch in folgenden Filialen der Sparkasse Mainfranken:

  • Vom 15.07.08 bis 29.07.2008 in der Sparkasse Kitzingen
  • Vom 29.07.2008 bis 12.08.2008 in der Sparkasse Volkach

Mai 2008

Nun sind sie wieder da! Die Wiesenweihen sind aus dem Winterquartier in ihre bayerischen Brutgebiete zurückgekehrt. Auffalllend ist jedoch in diesem Jahr, dass sie sich Zeit lassen mit dem Beginn des Brütens. Erst wenige Weibchen sitzen jetzt - Mitte Mai - bereits auf den Eiern. Zur Zeit sind die aktiven Wiesenwiehenschützer von früh bis spät im Gelände unterwegs, um die Brutpaare aufzuspüren. Denn gerade jetzt sind die Paare noch gut zu finden: die Weibchen sitzen an den Brutflächen und die Paare machen spektakuläre, weithin sichtbare Balzflüge.

Wir sind schon sehr gespannt auf den weiteren Verlauf der Brutsaison.

März 2008: Bericht aus dem Winterquartier

Einsammeln von Wiesenweihen-Gewöllen im Senegal (Bild: Pürckhauer)

Die Koordinatorin des Artenhilfsprogramms, Claudia Pürckhauer, ist zur Zeit im Winterquartier der Wiesenweihen. Dort erhebt sie wichtige Daten über das Jagdhabitat und evtl. Gefährdungen der Vögel. Ihren interessanten Bericht lesen Sie hier.

November 2007: Sehr gute Ergebnisse!

2007: Im Rückblick eine sehr gute Saison (Foto: Tunka)

Nun stehen die Zahlen fest: in diesem Jahr gab es außergewöhnlich viele Brutpaare in Bayern. 158 Paare traten auf und insgesamt flogen in Bayern  445 Jungvögel aus. Ein großer Erfolg! Seit Beginn des Artenhilfsprogramms in Bayern gab es noch nie so viele Paare und ausgeflogene Junge. Sicherlich hat die Massenvermehrung der Feldmäuse viel zu diesem Ergebnis beigetragen. Die Untersuchungen der Studentinnen der Universität Würzburg zeigten, dass sich unsere Wiesenweihen in diesem Jahr zum weitaus größten Teil von Feldmäusen ernährt haben.

September 2007: Erfolgreichste Saison?

Weiter steil nach oben geht es mit den bayerischen Wiesenweihen (Bild: Tunka)

Die Auswertungen laufen auf Hochtouren und noch sind nicht alle Gebiete in Bayern ausgewertet, noch nicht alle Daten übertragen, noch nicht jedes Brutpaar im Geografischen Informationssytem digitalisiert. Dennoch können wir uns schon über eines freuen:

2007 war die erfolgreichste Saison seit Beginn des Wiesenweihenschutzes in Bayern! Noch nie gab es bei uns mehr Brutpaare des hochbedrohten Greifs.

Ob auch die Zahl der Jungvögel die Marke des Jahres 2005 überschreitet, ist noch nicht sicher.

August 2007: Saison bald vorbei

Geschafft! Dieses Jahr sind viele Jungvögel erfolgreich ausgeflogen (Bild: Tunka)

Die Wiesenweihen-Saison geht zu Ende: Ende letzter Woche haben wir die letzten Jungvögel beringt und markiert. Nun sind viele schon dabei abzuziehen und beginnen sich auf den Weg nach Afrika zu machen.

Der häufige und langandauernde Regen hat kaum zu Ausfällen geführt. Einige Jungvögel haben aber unter dem Nahrungsmangel gelitten, denn bei Regen können die Altvögel schwer jagen.

Der Mäusebestand war in Mainfranken unerwartet hoch. Nicht nur die Wiesenweihen hatten daher viel Nahrung zur Verfügung, sondern auch deren natürliche Feinde wie Raubsäuger und Rohrweihen, die ebenfalls Mäuse fressen. Daher wurden in diesem Jahr in Unterfranken auffallend wenig Bruten ausgeräubert.

Nach den relativ niedrigen Brutergebnissen des Vorjahres hatten wir nicht gehofft so rasch wieder auf so hohe Zahlen ausfliegender Jungvögel zu kommen. Insgesamt scheinen nun aber fast soviele Jungvögel wie in unserem besten Jahr 2005 auszufliegen. Das wurde sicher auch dadurch begünstigt, dass es im Juni/Juli immer wieder länger regnete, so dass sich die Getreideernte verzögerte. So mussten nicht soviele Jungvögel in den unsicheren Restflächen ausharren, die bei der Ernte zum Schutz der Bruten stehengelassen werden.

Juli 2007: Es sieht gut aus!

Genug Beute! (Bild: Tunka)

Es geht gut weiter, bis jetzt verläuft die Wiesenweihensaison wirklich erfolgreich. Die Verluste an Nestern und Jungvögeln sind nach wie vor sehr gering. Durch die vielen, vielen Mäuse können die Altvögel ihre Jungen hervorragend versorgen. Ob so viele Jungvögel ausschlüpfen werden wie in unserem bisher besten Jahr 2005?

Durch die lange Regenperiode und das wechselhafte Wetter hat sich die Ernte jetzt doch noch verzögert. So werden die Restflächen nun doch nicht so lange frei stehen, wie noch im Juni befürchtet. Die Jungvögel sind dann sicherer und für einige Landwirte verringert sich der Aufwand. Allerdings haben sie ja auch unter dem schlechten Wetter zu leiden, denn die Gerste steht reif auf dem Halm und kann nicht eingebracht werden. Dadurch verliert sie natürlich an Wert.

Mit Spannung verfolgen wir die Arbeiten von Studentinnen der Universität Würzburg. Sie machen eine Nahrungsanalyse und werten Hunderte von Gewöllen aus, die sie an ganz unterschiedlichen Standorten im Wiesenweihengebiet sammeln. Damit erhoffen wir uns z.B. Aussagen über die wichtigsten Nahrungsquellen in den einzelnen Teilgebieten. Und natürlich über deren Sicherung.

Juni 2007: Frühstart

Wir sind früh dran in diesem Jahr, die ersten Küken sind schon seit 2 Wochen geschlüpft! Allerdings beginnt auch die Ernte bald. Denn das Wetter war jetzt so gut und das Frühjahr so warm, dass die Wintergerste schon sehr weit entwickelt ist. Vor der Ernte müssen alle Nester gefunden sein.  Besonders gefährlich sind die Flächen, die als GPS (GanzPflanzenSilage) für Biogasanlagen geerntet worden sind. Denn sie werden besonders früh beerntet.

Ansonsten freuen wir uns aber, dass wir bisher so wenige Verluste zu verzeichnen haben. Zumindest in Mainfranken gibt es so viele Mäuse, dass auch die anderen Mäusejäger genug zum Fressen haben - und nicht stattdessen Eier oder Jungvögel der Wiesenweihen fressen!

Und auch das macht Freude: dieses Jahr sind wieder hier geschlüpfte Vögel nach Mainfranken zurückgekehrt! Wir konnten schon einige Vögel ablesen, die wir 2005 und 2006 markiert hatten. Schön, dass sie den gefährlichen Flug nach Afrika und zurück überlebt haben.

Mai 2007: Mäuse und Sonne

Feldmäuse scheint es heuer viele zu geben. Genug für eine erfolgreiche Wiesenweihensaison? (Bild: Zinnecker)

Die Saison in Mainfranken läuft gut an: Es scheint bereits jetzt mehr Feldmäuse als 2006 zugeben. So sind im Moment schon mehr Paare im Gebiet als im Vergleichszeitraum 2006. Nach dem warmen Frühjahr steht das Getreide außerdem so hoch, dass auch genügend Brutraum vorhanden ist. Sogar der Winterweizen steht bereits sehr hoch und wir finden viel mehr Paare als sonst, die in Winterweizen brüten.

Wird die Zeit knapp? Das gute Wetter erleichtert uns zwar, die Wiesenweihen zu finden. Das ist aber auch notwendig, denn die Ernte könnte schon Ende Juni losgehen. Das wäre ein sehr früher Erntebeginn. Bis dahin müssen wir  alle Paare gefunden und die Landwirte informiert haben. Je länger das Wetter nun so gut bleibt, desto größer wird der Zeitdruck