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NABU und LBV: Seriöse Debatte statt Panikmache
20.3. Berlin/Ulm/Hilpoltstein – Bilder: Henning Werth <<mehr |
Ficherei giesst Öl ins Feuer„Die Reaktion des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, der anlässlich unserer Jahresvogeltagung zu dieser Gegenveranstaltung aufgerufen hat, ist für uns nicht nachvollziehbar. Vertreter der Fischerei sind offiziell eingeladen und werden bei unserer Tagung sprechen, doch draußen wird lautstark demonstriert. Das passt nicht recht zusammen. Dialog sieht anders aus.“ Auch der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann reagierte mit Unverständnis auf den Konfrontationskurs der Demonstranten vor dem Ulmer Stadthaus: „Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, den jahrelangen Streit um Kormorane zu versachlichen, wird hier von Seiten der Fischerei Öl ins Feuer gegossen“. Mit einer Aufklärung der Öffentlichkeit über den richtigen Umgang mit dem fischfressenden Vogel habe die Demonstration leider wenig zu tun. In ihrer Auffassung bestätigt sehen sich NABU und LBV aktuell durch die am Dienstag von der Bundesregierung erteilte Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Danach geht die Regierung nicht davon aus, dass sich die Zahl der zurzeit 24.000 Kormoranbrutpaare in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird. Ihrer Aussage nach deute jetzt vieles darauf hin, „dass der Kormoran in Deutschland die Kapazitätsgrenze seines Lebensraumes inzwischen erreicht hat“, heißt es in der Antwort. Gleichzeitig nehme die „innerartliche Konkurrenz“ zu, so dass nicht mit relevanten Wachstumsraten zu rechnen sei, so die Einschätzung der Bundesregierung. NABU-Vizepräsident Opitz: „Das immer wieder hervorgebrachte Gerede von ‚Überpopulationen‘ des Kormorans sollte damit endlich ein Ende haben.“ Die Bundesregierung hatte ferner darauf verwiesen, dass die Europäische Kommission die Erarbeitung eines „Kormoranmanagementplans“ auf europäischer Ebene für „nicht verhältnismäßig“ erachte. Vertreter von NABU und LBV präsentierten auf der gemeinsamen Fachtagung auch Zahlen zur Bestandsentwicklung des Kormorans in den einzelnen Bundesländern. Danach sind Zuwächse schon seit längerem nur noch in Mecklenburg-Vorpommern festzustellen. NABU und LBV setzten auch den Fischartenschutz auf die Tagesordnung ihrer Veranstaltung. Ihr Fazit: Kormorane rotten keine Fischarten aus. „Als Nahrungsopportunist erbeutet der Kormoran die Fische, die am häufigsten und am leichtesten zu erbeuten sind. Seltene Arten sind daher auch in seiner Nahrung nur selten zu finden“, erläuterte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Wer es mit dem Schutz selten gewordener Fische wie der Äsche ernst meine, der solle sich konsequent für die Erhaltung und Wiederherstellung naturnaher Fließgewässer stark machen. Stattdessen seien z.B. Schonmaßnahmen für den Äschenbestand im Rhein von Seiten der Jagd- und Fischereiverwaltung im schweizerischen Thurgau unlängst wieder gelockert worden, nachdem sich der Bestand dieser Rote-Liste-Art von seinen immensen Verlusten im Hitzesommer 2003 gerade erst etwas erholt hatte. „Hier wünschen wir uns darum auch mehr Redlichkeit seitens der Angler“, so Nipkow. Deren Interesse am Angeln sei zweifellos legitim, bundes- und europarechtliche Vorgaben des Artenschutzes dürfe man jedoch nicht aus den Augen verlieren. Der Kormoran bleibe eine zu schützende Vogelart. |
Dialog über einen FischjägerEinladung zum NABU/LBV Artschutzsymposium am 20. März in Ulm Kaum hatten NABU und LBV den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ erklärt, schlug den Verbänden heftiger Protest entgegen. Angler und Berufsfischer sprachen von einer Provokation, der Verband Deutscher Sportfischer in seiner Pressemitteilung gar von einem „Schlag in das Gesicht aller Demokraten und wirklichen Naturschützer“. NABU und LBV bewegten sich damit „außerhalb jeglicher Vernunft“. Unsere „Jahresvogeltagung“ am 20. März 2010 in Ulm soll dazu beitragen, mehr Verständnis für die Anliegen des Naturschutzes wie auch für berechtigte Interessen von Teichwirten und Berufsfischern zu wecken. NABU und LBV suchen dazu den Dialog und wollen gemeinsam über Lösungen diskutieren, die den Ansprüchen aller Seiten gerecht werden können. << zum Programm |
Bitte melden Sie sich mit dem Anmeldeformular auf dem Programm an, das Sie hier herunterladen können oder bei Angelika Richter/NABU Veranstaltungsmanagement (angelika.richter@nabu.de ) oder Tel. 030 - 28 49 84 1577. Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro, die vor Ort entrichtet wird.
Veranstaltungsort: Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, 89073 Ulm
Der Kormoran und die Demokratie - vielfältige Reaktionen auf den Vogel des Jahres 201012. 10. Selten war die Presseresonanz so groß wie nach der Verkündung des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010. Selten war auch die Presse so gut informiert. Während sich NABU und LBV anfänglich wunderten, dass vergleichsweise wenige Presseanfragen kamen, stellte sich bald nach der Pressekonferenz heraus, dass der Bayerische Landesfischereiverband nach der ersten Schrecksekunde gleich eine Minute nach der Sperrfrist um 11 Uhr die Kürung des Kormorans zum Vogel des Jahres als gelungene Provokation bezeichnete. Immerhin ging er nicht so weit wie der Sportfischerverband, der NABU und LBV gleich mangelnde Demokratiefähigkeit unterstellte <<mehr |
Tote Aale im Briefkasten kein kreatives Gesprächsangebot3.11. Am Sonntag fanden einige LBV-Aktive Aale und Schleien mit einem "Danke" Schildchen im Maul in ihrem Briefkasten. Geschäftssführer Gerhard Koller: "Anstelle uns anonym die Fische in den Briefkasten zu stopfen wäre es mir lieber gewesen, die Leute hätten mir die Fische persönlich überreicht und wir hätten Argumente austauschen können." Auf Inititiative vom LBV-Vorsitzenden Ludwig Sothmann hat der Oberste Naturschutzbeirat der Regierung beschlossen, einen Kormoran- Managmentplan zu erarbeiten. "Gemeinsam die berechtigten Anliegen aller Beteiligten zu einem Kompromiss zu führen erscheint mir sinnvoller, als mir eine Schleie in den Briefkasten zu stecken", so der LBV Vorsitzende. |
Verbände reden miteinanderDas war nicht wirklich nett! Desto mehr Zeit ins Land ging, desto sachlicher wurden dann aber die Artikel. So stellte die SZ in ihrer Wochenendausgabe die Positionen der Kormoranfreunde- und Gegner gegenüber, der SWR wies darauf hin, dass alle Vergrämungsversuche bislang nicht den Erfolg zeitigten, die sich die Fischer erhofft hatten. Auch dass die EU Vogelschutzrichtlinie, auf die sich viele der Gegner berufen, dazu geführt hat, den Kormoran in Deutschland wieder heimisch werden zu lassen, wurde immer öfter erwähnt. Der Brandenburger und der Baden-Württembergische Fischereiverband begrüßten im Sinne einer notwendigen Diskussion über den Kormoran die Ausrufung des Kormorans zum Vogel des Jahres. Deren Vertreter bemühen sich gerade im Diskussionsforum von www.kormoranfreunde.de um eine Versachlichung der Diskussion. Leider wimmelt es darin von „Nur ein toter Kormoran ist ein guter Kormoran“ Kommentaren. Dass dieser Stil den Anliegen der Kormorangegner nicht dienlich sein dürfte, scheint den Kommentatoren nicht klar zu sein. Der LBV hat auf die Pressemitteilung des Bayerischen Fischereiverbandes reagiert und fasst sie als Einladung zum Dialog auf. Gegenseitig haben sich beide Seiten mittlerweile versichert, weiter miteinander in den verschiedenen Projekten zusammenzuarbeiten.
Fortsetzung folgt. |
Bodenseefischer mit Saison zufrieden15.10. Aus einer Pressemitteilung der Fischereigenossenschaft Lindau: Für den LBV zeigt dies einmal mehr: den Kormoran zum Sündenbock gerade auch der Bodenseefischerei zu machen, greift zu kurz. <<mehr |
Jubiläumsauftritt der Wellküren wichtiger Beitrag zur Befriedung der Gemüter19.10. Am vergangenen Freitag traten die Wellküren im LBV Umweltzentrum in Muhr am See auf. Während des Konzerts hatten sie noch versprochen, nix zum Kormoran zu sagen. In ihrer Publikumskritik unter www.wellkueren.de aber wurden sie umso deutlicher: "Die Wahl des KORMORANS zum Vogel des Jahres 2010 führt aktuell landesweit zu Unruhen, Ausschreitungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen rund um die bayerischen Fischweiher [..] Unser Jubiläumsauftritt war ein wichtiger Beitrag zur Befriedung und Beruhigung der Gemüter. Freunde des Kormorans und Angler feierten gemeinsam mit uns....... |