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Direkt zur Rede von LBV-Vorsitzendem, Ludwig Sothmann, zur Eröffnung der Ausstellung "diegrossen4" geht es hier.
Die Ausstellung heißt „Die großen Vier – vom Umgang mit Bär, Wolf und Luchs“. Der vierte Partner in dieser Beziehung sind also wir, die Menschen, Sie alle. Die Ausstellung trägt der Tatsache Rechnung, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Bär, Luchs und Wolf als Mitgeschöpfe wieder in unserem Land haben möchten, aus dem wir sie im 18. und 19. Jahrhundert durch brutale Nachstellungen vertrieben haben.
Wenn wir diese Tiere jetzt willkommen heißen, uns um ihre Überlebensmöglichkeiten bei uns kümmern, ist das auch als eine Wiedergutmachung an den großen Drei zu verstehen. Für uns ist unstrittig, dass wir die freiwillige Rückkehr von Luchs, Bär und Wolf in unsere Landschaft organisieren und absichern müssen. Wir tun dies im Konsens mit einer Gesellschaft, in der derzeit ein interessanter Prozess abläuft: die kulturelle Umwertung des Wildtieres, der Wildnis überhaupt.
Ehemals mit Angst, Schrecken und Ablehnung belegt, sind sie zu Gütern geworden, die für uns einen Wert haben, zu denen man sich einen Zugang wünscht, sei es nun direkt oder eher auf der Gefühlsebene. Für diesen Einstellungswandel gibt es viele Belege. Fest steht, dass unsere Gesellschaft offensichtlich bereit ist, diesen faszinierenden Wildtieren die Rückkehr in die gemeinsame Heimat der großen Vier – also der Heimat von Tier und Mensch – zu ermöglichen.
Nach dem tragisch geendeten Versuch, als Bruno als erster Braunbär seit 170 Jahren versuchte, in Bayern wieder Fuß zu fassen, hat dieses Thema im Sommer und Herbst 2006 alle intensiv beschäftigt. LBV, BN und andere haben nachdrücklich darauf hingewiesen, dass wir die Rückkehr der großen Drei ebenso wie die von Fischotter, Elch oder Seeadler professionell organisieren und damit ermöglichen müssen. Das Bleiberecht für diese ehemals bei uns heimischen Arten sicherzustellen, ist eine moralische Pflichtaufgabe unserer Gesellschaft.
Das Umweltministerium hat sich dieser Herausforderung gestellt und eine Steuergruppe eingerichtet, deren Ziel es war und ist, Managementpläne für Bär, Luchs und Wolf zu entwickeln. Es hat sich als richtig und wichtig erwiesen, dass diese Arbeitsforen breit angelegt waren. Neben den Naturschutzverbänden saßen die Landnutzer, also Bauernverband, Schafhalter, Waldbesitzer, aber auch Jäger und Tierschützer mit im Boot. In 4 Treffen der Steuergruppe und 9 Arbeitsgruppensitzungen ist intensiv und meist konstruktiv diskutiert und verhandelt worden. Die Managementpläne für Bär und Wolf sind in Stufe 1 fertig, beim Luchs sind die Arbeiten abgeschlossen.
Von Anfang an war es ein zentrales Anliegen aller, bei diesem speziellen Prozess der Biodiversitätssicherung die Bevölkerung mitzunehmen. Aus diesem Grund wurde eine Akzeptanzoffensive vereinbart. Zentrales Element ist diese interaktive Wanderausstellung. Es gilt zu informieren, Angst zu nehmen, Vorurteile abzubauen und mit der Gesellschaft über diese Arten ins Gespräch zu kommen. Wichtig war, dass möglicherweise direkt betroffene Gruppen, wie z. B. die Schafhalter, ihr traditionelles Wissen wieder reaktiviert haben, um – wie in früheren Generationen – intelligent und Probleme vermeidend mit diesen Tieren umzugehen.
Da kein Mensch völlig ausschließen kann, dass nicht doch einmal ein Schaden an Nutztieren auftritt, haben wir vorgesorgt. Mit Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds haben BN, BJV und LBV einen Ausgleichsfonds „Große Beutegreifer“ ins Leben gerufen. So können wir schnell, unbürokratisch, aber korrekt entschädigen, wenn es einmal erforderlich sein sollte.
Mit den Managementplänen ist eine wichtige theoretische Voraussetzung für die Rückkehr der große Beutegreifer erfüllt. Diese Ausstellung ist bereits der konkrete praktische Schritt der Umsetzung. Sie setzt den notwendigen Prozess des dauerhaften Dialoges und der Information über Wolf, Luchs und Bär in Gang und bezieht die Jugend gezielt mit ein. Diese Ausstellung wird Vertrauen geschaffen in die Koexistenz mit diesen herrlichen Tieren.
Dank an alle, die diese Ausstellung für das Leben unterstützt und mitgestaltet haben.
Dank dem LBV-Team um Henning Werth, Brigitte Kraft, Ulrike Lorenz, Dr. Andreas von Lindeiner und Wolfgang Nerb, die unterstützt durch Manfred Wölfel und viele andere die Konzeption entwickelt haben und in den nächsten Monaten auch besonders die Betreuung der Schulklassen beim Besuch der Ausstellung übernehmen werden.
Herr Staatsminister, wenige Tage nachdem die Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern „Natur-Vielfalt-Bayern“ vom Kabinett verabschiedet und letzten Freitag vom bayerischen Ministerpräsidenten und Ihnen öffentlich vorgestellt worden ist, starten Sie heute diese Wanderausstellung. Auch dies ist praktizierter Biodiversitätsschutz.
Ich sage es noch einmal: Die Aktion „Die großen Vier“ ist der gezielte Versuch, den faszinierenden drei Großsäugern Bär, Luchs und Wolf eine realistische Chance zu geben, in unsere bayerische Heimat zurückzukehren und hier wieder heimisch zu werden.
Für diesen neuen Reichtum für uns alle, für diese Lebensvielfalt lohnt sich jedes Engagement. Ich wünsche der Ausstellung einen nachhaltigen Erfolg.
Ludwig Sothmann
(Vorsitzender des LBV)