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Neue Bilanz des Vogelschutzes

12.09.08: Der Vogelschutz in Deutschland kann Erfolge vorweisen, verzeichnet aber auch weitere Rückschläge. Das zeigt die neue „Rote Liste der Brutvögel Deutschlands“, die heute in Berlin von den LBV-Partnern Naturschutzbund Deutschland (NABU), Deutscher Rat für Vogelschutz (DRV) und Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) vorgestellt wurde. Während gezielte Maßnahmen des Artenschutzes erfolgreich sind, sind die Bestände anderer Arten zusammengebrochen, so dass nach wie vor 110 Arten auf der Roten Liste stehen.    

Inzwischen sind 30 Vogelarten vom Aussterben bedroht – die höchste Zahl seit 1991. „Fast jede achte heimische Vogelart droht aus Deutschland zu verschwinden. Die Naturschutzpolitik in Brüssel, in Berlin und München muss dringend darauf reagieren“, stellte Dr. Andreas von Lindeiner, Artenschutzreferent des LBV und Präsident des DRV, fest. Das „Fieberthermometer des Naturschutzes“ zeigt auch in Bayern stärkste Rückgänge bei Vogelarten der Agrarlandschaft, besonders bei solchen, die im Grünland leben. Als Beispiele nannte von Lindeiner den Großen Brachvogel (hochgestuft in Kategorie 1, vom Aussterben bedroht), den Kiebitz und das Braunkehlchen. „Die Rote Liste zeigt, dass die hohen Förderungen der Agrarumweltprogramme den Artenschutz noch nicht integrieren“, so von Lindeiner. Ohne ökologische Vorrangflächen auf den Betrieben und ohne einen Stopp beim Grünlandumbruch sei die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft nicht zu erhalten.   

Weitere 24 Vogelarten der Roten Liste sind „stark gefährdet“, als „gefährdet“ gelten 14 Arten. Am stärksten trifft es bodenbrütende Vogelarten, über die Sahara ziehende Zugvögel und Arten, die sich von großen Insekten ernähren. Knapp die Hälfte der 260 einheimischen Vogelarten ist ungefährdet, weil die Individuenzahlen und Entwicklungen ihrer Bestände gut sind. Zu ihnen gehören nicht nur Amsel, Blaumeise und Buchfink, sondern auch Arten, für deren Schutz der Naturschutz seit Jahrzehnten kämpft, wie Wanderfalke, Weißstorch oder Uhu. „Wir können unsere vielfältige Vogelwelt mit einem konsequenten Naturschutz erhalten, wie es die erfolgreichen bayerischen Artenhilfsprogramme zeigen. Allerdings werden wir diese ‚Flaggschiff-Arten’ trotz ihrer guten Entwicklung weiter betreuen, um ihre Entwicklung zu beobachten und schnelle gezielte Maßnahmen ergreifen zu können“, erklärte von Lindeiner. „Wir brauchen aber für alle aktuell bedrohten Arten spezielle Hilfsprogramme. Dann können wir sie auch retten.“   

Mit der neuen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands bekräftigt der Vogelschutz seine Vorreiterrolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt, stellten die Vertreter der Verbände und des Experten-Gremiums gemeinsam fest: Die Rote Liste der Vögel ist ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit von zahllosen ehrenamtlichen Beobachtern und Helfern, von mitgliederstarken Naturschutzverbänden NABU und LBV und kleinsten Arbeitsgemeinschaften, sowie den Naturschutzbehörden der Länder und des Bundes. Der Zustand der deutschen Vogelwelt zeigt, dass Vogelschutz weiterhin notwendig ist, aber auch, dass er sich lohnt!   

Rote Listen gelten als „Fieberthermometer des Naturschutzes“. Sie geben Auskunft über den Gefährdungsgrad einzelner Arten und damit über den Zustand der biologischen Vielfalt. Die „Rote Liste der Brutvögel Deutschlands“ wird alle fünf Jahre von einem Gremium herausgegeben, dem Institutionen der wissenschaftlichen Vogelkunde angehören (s.u.). Vogelbeobachter aus ganz Deutschland, darunter auch viele Vogelschützer im LBV, haben hierzu im Rahmen des DDA-Vogelmonitorings Beobachtungsdaten gesammelt und so die Grundlage der aktuellen Auswertung geschaffen.   

Die aktuelle Rote Liste in den Berichten zum Vogelschutz, Band 44, können Sie hier bestellen:

Mit diesem Bestellschein (pdf) oder unter http://www.drv-web.de/start_d.htm